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Ebola: „Der Epidemie ein Gesicht geben"

Nothilfe Öffentlichkeitsarbeit Vorsorge und Gesundheit
Liberia Sierra Leone

Adam Huebner fasst die aktuelle Situation zusammen und erklärt lesbar und sehr anschaulich, wie wichtig es ist, der Bevölkerung die Fähigkeit zur Prävention in die Hand zu geben – und sie überhaupt zu erreichen.

Die Ebola-Epidemie, die zu Beginn dieses Jahres in Guinea ihren Anfang nahm, breitet sich weiter unkontrolliert in Westafrika aus und bewirkte zuletzt die Ausrufung eines offiziellen Notstands durch die Regierungen von Sierra Leone und Liberia. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den Ausbruch als “globalen Gesundheitsnotstand” eingestuft, während der Global Director von Médecins sans Frontières (MSF) kürzlich erklärte, der Ausbruch sei “außer Kontrolle” und die international Gemeinschaft könne wohl weitere sechs Monate benötigen, um die Situation auch nur annähernd in den Griff zu bekommen.

Die offiziellen Angaben vom 20. August beliefen sich auf 2.473 Ebola-Fälle mit 1.350 Toten. Betrachtet man die seit Anfang des Jahres steigenden Fallzahlen in Westafrika, kann es ein wenig überraschen, wieso und wie so ein großflächiger Tumult sich entwickelt hat, wo es doch andere Todesursachen in diesen Ländern gibt, die weiterverbreitet und weniger vorhersehbar sind (Malaria, Durchfall, Geburtskomplikationen etc.). Dies liegt daran, dass Ebola hier ein gesichtsloser Killer ist, der sich wie kein anderer in der Gesellschaft von Gerüchten, Klatsch und übernatürlichen Erklärungen aufhält.

Die beste Strategie, um den Ausbruch einzudämmen, ist, Ebola ein “Gesicht” zu geben, frühzeitig einheitliche Informationen zu liefern und  wahrheitsgetreu über Gegenmaßnahmen und die aktuelle Situation zu sprechen. Gebt die Fähigkeit zur Prävention in die Hände der Menschen; das ist das Herzstück einer Reaktion des Gesundheitswesens. Es ist Angst, die die Ausbreitung von Ebola vorantreibt, es ist Angst, die Menschen dazu bringt, Gesundheitspersonal zu verjagen und Gesundheitseinrichtungen zu zerstören und es ist Angst, die Menschen dazu bringt, Schutz- und Behandlungsmaßnahmen zu ergreifen, die auf unhaltbaren Gerüchten beruhen.  

Zunächst traten Fälle in Sierra Leone im Osten des Landes auf, weswegen Handicap International in der Lage war, die regulär geplanten Aktivitäten in den Bereichen Mutter-Kind-Gesundheit, inklusiver Bildung, Existenzgrundlage und Rechte und Inklusion weiterzuführen. Als das Virus sich ausbreitete, haben unsere Teams die Situation weiter genau beobachtet, ein Teil des Personals wurde aus den am stärksten betroffenen Bereichen des Landes in andere Regionen verlegt. Gleichzeitig begannen die regulären Aktivitäten von Handicap International in den lokalen Gemeinden, Botschaften zu Ebola in einige ihrer regulären Trainings zum Kapazitätsaufbau beim Gesundheitspersonal der Gemeinden einzubeziehen.

Bewusstseins- und Präventionsbotschaften müssen alle erreichen 

Menschen mit Behinderung sind, wenn es um den Zugang zu Dienstleistungen und Informationen geht, mit erheblichen Barrieren konfrontiert, umso mehr in Kontexten schwacher Ressourcen. Kommunikation und die Verbreitung von Informationen ist oft auf die allgemeine Bevölkerung ausgerichtet, ohne Berücksichtigung der Mittel, durch die einige Menschen mit Behinderung Informationen erlangen. In Westafrika sind Nachrichten und Information häufig verflochten mit Gerüchten, Irrglauben, gelegentlichen schädlichen traditionellen Vorstellungen und Panikmache, die das Herausfiltern der wichtigsten, erwiesenen Botschaften so viel schwieriger machen. Zudem sind Menschen mit Behinderung für ihre täglichen Aktivitäten oft auf die Hilfe Anderer angewiesen, einschließlich physischem Kontakt und Berührungen (z.B. beim Schieben eines Rollstuhls oder beim Führen einer blinden Person am Arm), was zu zusätzlicher Beunruhigung, Stress für Menschen mit Behinderung und negativen Überreaktionen von ängstlichen Mitgliedern der Gemeinschaft führt. 

Infolge der Entscheidung der Regierung, Ressourcen neu auszurichten und die Eindämmung des Ausbruchs zu unterstützen, hat Handicap International mit der Erlaubnis des Geldgebers Europäische Union einige Mittel anderer Projekte zugunsten einer Bewusstseinsschaffung für Ebola und Aktivitäten zur Präventionsunterstützung umgeleitet. Durch die Partnerschaft mit der lokalen Menschenrechtsorganisation One Family People, African Youth with Disability Network Sierra Leone und in Zusammenarbeit mit der Nationalen Kommission für Behinderungen wurde ein Programm erstellt, um die wichtigsten Informationen weiterzugeben, eine Frage-und-Antwort-Sitzung anzubieten und Seife zum Händewaschen an Zielgruppen auszuhändigen. Handicap International und die Partner haben bis jetzt Sensibilisierungssitzungen mit 17 Organisationen für Menschen mit Behinderung, Schulen für spezielle Bildung, Wohneinrichtungen und Gemeinschaften für Menschen mit Behinderung in Freetown und darüber hinaus durchgeführt. Während dieser Sitzungen mit dem Ziel, ein größeres Bewusstsein zu schaffen, erhielten 1.276 Menschen mit Behinderung (und einige ohne Behinderung) wichtige Informationen und konnten Fragen stellen und Klarheit erlangen, um mit weitverbreiteten falschen Auffassungen aufzuräumen. Ihnen wurden außerdem 1.500 große Seifenriegel ausgehändigt, um die Bedeutung angemessener Hygiene deutlich zu machen. 

Die anvisierten Organisationen und Einzelpersonen waren sehr dankbar für das zielgerichtete Interesse und die Informationen und bemerkten, dass dies die “ersten und einzigen” umfassenden Informationen waren, die sie seit dem Ausbruch erhalten hatten. Sie diskutierten und hinterfragten auch offen ihre eigenen Ideen, ob Ebola existiert oder nicht, da einige vorher geglaubt hatten, es wäre von Außenstehenden erdacht worden oder wäre einfach Cholera oder Malaria (welche beide während der momentanen Regenzeit häufig vorkommen), für politische Zwecke von der Regierung neu verpackt. Während Informationen grundlegend gehalten und in der lokalen Krio-Sprache vermittelt wurden, halfen allgemeine Konzepte der Keimtheorie, die Bedeutung von Hygiene und der Vermeidung von Kontakt mit Erkrankten zu unterstreichen. 

Die Bevölkerung Sierra Leones ist klug und wissbegierig mit einer tief verwurzelten Geschichte von Misstrauen gegenüber dem, was die Regierung berichtet und vorgibt. Die Menschen haben auf eine Gelegenheit gewartet, die Fakten zu hören und offen zu diskutieren, was sie und alle um sie herum gehört, gedacht und geglaubt haben. Indem sie Ebola real und verständlich gemacht haben und es nicht länger ein abstraktes Wort der Panik ist, klingen Angst und Misstrauen langsam ab. Gemeinschaften und Einzelpersonen können vertrauensvoll einfache und effektive Strategien umsetzen, die Übertragung verhindern und die die Maßnahmen der Regierung unterstützen und nicht gegen sie arbeiten. Alle institutionellen und humanitären Akteure konzentrieren sich nun auf zielgerichtete Botschaften für das gesamte Land und Handicap International ist dabei, um sicherzustellen, dass niemand vergessen wird.

21 August 2014
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