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Ein Leben für die Bildung von ALLEN Kindern

Inklusion Öffentlichkeitsarbeit Rechte von Menschen mit Behinderung
Burkina Faso

Interview mit Estelle Koudougou, Projektmanagerin für das Programm „Inklusive Bildung“ von Handicap International in Burkina Faso.

Nachdem sie vierzehn Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet hatte, entschied Estelle, ihren Erfahrungsreichtum dazu zu nutzen, um Entwicklungsprojekte in ihrem Geburtsland Burkina Faso zu unterstützen. Sie arbeitet nun als Projektmanagerin für das Programm „Inklusive Bildung“ von Handicap International. Im Folgenden erzählt sie von ihrem Werdegang und warum sie sich entschieden hat, ihre Zeit der Inklusion von Kindern mit Behinderung in Regelschulen zu widmen.

„Man muss nicht für Handicap International arbeiten, um darüber besorgt zu sein, dass einige Kinder nicht wie alle anderen zur Schule gehen können – und das nur weil sie eine Behinderung haben.“ Estelle erkannte das, als ein Mann ihre Klasse mit seinem Patensohn, dem 8-jährigen Ousmane, besuchte und sie anflehte, ihn aufzunehmen. Da Ousmane geistig behindert ist, wurde er schon von einigen Schulen abgelehnt. „Ousmanes Patenonkel war so glücklich, als ich ja sagte, ihn natürlich aufnehmen wollte! Ich war sehr bewegt. Seine Freude zeigte mir, wie hart er hatte kämpfen müssen, um so weit zu kommen.“

Dank Estelles Aufmerksamkeit und ihrer pädagogischen Fähigkeiten blühte der Junge auf und machte unglaublich schnell Fortschritte. „Ich habe schnell begriffen, dass Ousmane in der Lage war, viele Dinge zu verstehen und auszudrücken, wenn man ihn nur ermutigte. Bis dahin war er nicht besonders gesprächig gewesen.

Eines Tages bin ich während der Pause zu ihm gegangen. Er war alleine, weit weg von den anderen Kindern, und er sah traurig aus. Ich fragte ihn, was das Problem sei, und er antwortete sehr deutlich: Er sei wütend, da sein Vater das Pausenbrotgeld seiner Schwester gegeben hatte. Sein Vater glaube nicht, dass er auf sich selber achten könne. Ich nahm etwas Geld aus meinem Geldbeutel, fragte ihn, wie viel ich da habe und was er sich davon kaufen könne. Er gab mir ohne Probleme eine genaue Antwort. Also gab ich ihm das Geld, damit er sich etwas Kuchen kaufen könne. Er rannte zu der Frau, die Kuchen verkaufte, und in dem Moment begriff ich: Ich hatte einen flüchtigen Eindruck seiner Fähigkeiten erhalten, nämlich zusammenzuzählen, Ideen auszudrücken und Probleme zu verstehen.

Er sollte in einer Art und Weise am Unterricht teilnehmen, die seinen Fähigkeiten entsprach. Dies ist nur ein Beispiel. Ich bin sicher, dass es Hunderte von anderen Kindern wie Ousmane gibt, die nur etwas Ermutigung und die richtige Umgebung brauchen, um aufzublühen.”

Estelle trat Handicap International 2009 bei und stellt nun sicher, das Lehrer – und pädagogisches Personal im Allgemeinen – weitergebildet werden, um Kinder mit Behinderung zu unterstützen. Durch ihre Arbeit ist sie jeden Tag mit Kindern wie Ousmane in Kontakt, aber auch mit Kindern mit physischen Behinderungen, für die sehr einfach Lösungen gefunden werden könnten.

„Während eines meiner Schulbesuche traf ich Jean-Bosco, der zerebrale Kinderlähmung hat, aber aktiv am Unterrichtsgeschehen teilnahm. Er meldete sich ständig, aber weil er nicht laufen kann, mussten seine Freunde ihn zur Tafel tragen. Handicap International stellte einen Rollstuhl sowie ein Korsett zur Verfügung, sodass er in einer bequemen Position sitzen kann. Nun hat mich die Schuldirektorin informiert, dass der Elternausschuss entschieden hat, eine Rampe zu bauen, sodass er sich leichter zwischen Klassenzimmer und Spielplatz bewegen kann. Jeder hat seinen Teil beigetragen. Seine Mutter hat große Anstrengungen in Kauf genommen, um jedes Mal mit ihm zu dem 30 Kilometer entfernten Rehabilitationszentrum zu gehen, so dass er die Pflege und Unterstützung bekommt, die er braucht. Ich bin so froh, dass Jean-Bosco nun in einer Umgebung ist, wo er sich voll entfalten kann!“

Das regionale Programm für inklusive Bildung, das von Handicap International in sechs westafrikanischen Staaten (Burkina Faso, Liberia, Mali, Niger, Senegal und Togo) durchgeführt wird, zielt darauf ab, dass Kinder mit Behinderung Regelschulen besuchen können und fördert deren soziale und berufliche Inklusion.

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Das APPEHL-Projekt (Förderung der vollständigen Teilnahme von Kindern mit Behinderung an Bildung) wird seit seinem Beginn im Jahr 2011 von Aide Française au Développement und UNICEF finanziert.

31 Oktober 2012
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