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Entminerin Oncha aus Laos

Minen und andere Waffen
Laos

In Houaxieng, nahe der Grenze zu Vietnam, liegen weitflächig verteilt tödliche Submunitionen, kleine runde Bomben, die zum Großteil noch aus dem Vietnamkrieg stammen. Schon bei der geringsten Erschütterung können sie explodieren, doch die Bauern hier sind abhängig von der Bestellung ihrer Felder. Wir sprachen mit Oncha, einer 20-jährigen Entminerin unseres Teams in Laos.

Entminerin Oncha aus Laos in Entminungsausrüstung auf einem Feld.

Entminerin Oncha aus Laos liebt ihren Beruf. | © P. Jérôme / HI

Mitten in einem Reisfeld, das von Bergen umgeben ist, rücken etwa zwanzig Minenräumerinnen und Minenräumer Schritt für Schritt voran, die Augen fest an ihre Metalldetektoren geheftet. Sie arbeiten in der Nähe des Dorfs Houaxieng, das nahe der Grenze zu Vietnam liegt. Dabei achten sie auf jedes noch so geringe Signal, während sie nach Submunitionen suchen - "Bombies", wie sie in Laos genannt werden. Sechs Stück haben sie bereits gefunden, seit sie früh am Morgen gestartet sind. Eine der Entminerinnen ist die zwanzigjährige Oncha Phonethavon. 

„Jede gefundene Bombe kann niemandem mehr schaden“

Eines Tages hörte die junge Frau eine Durchsage von Handicap International (HI) über den Lautsprecher in ihrem Dorf. HI suchte nach mehreren Personen, die ein Team für die Minenräumung bilden sollten. Dieses Team würde Verantwortung dafür übernehmen, die Provinz Houaphan von tausenden explosiven Kriegsresten zu befreien. Oncha fühlte, dass diese Aufgabe genau für sie bestimmt war. Sie hatte gerade ihr Studium abgeschlossen und wollte Sozialarbeiterin werden. Es war eine perfekte Gelegenheit, einen aufregenden und nützlichen Job zu machen, wie sie es mit ihrer jugendlichen Frische ausdrückt:

„Dieser Job kombiniert Kühnheit, große körperliche Ausdauer und den sozialen Aspekt. Er ist cool, er macht Spaß. Es ist nie langweilig. Und vor allem fühle ich mich sehr nützlich!“

Den ganzen Tag lang bewegt sich Oncha auf den Feldern und Reisfeldern, wobei sie sich mit ihrer schweren Ausrüstung und in der speziellen Kleidung sichtlich wohlfühlt. Geduldig tastet sie mit ihrem Detektor in länglichen Streifen das fruchtbare Land ab, das sich für die Bauern, die es bewirtschaften, manchmal als tödlich erwiesen hat. Es handelt sich um ein nährstoffreiches Land, das die Dorfbewohner in der Provinz Houaphan trotz der Gefahr bestellen müssen – obwohl alle hier wissen, dass dort viele explosive Kriegsreste begraben sind. Bei diesen handelt es sich oft um Submunitionen. Das sind kleine Bomben, die wie eine Kugel aussehen, und die während der US-amerikanischen Luftangriffe im Vietnamkrieg abgeworfen wurden.

80 Millionen Submunitionen

Heute sind es etwa 80 Millionen Submunitionen, die in der Erde vergraben liegen, etwa 20 oder 25 cm unter der Oberfläche. Schon bei der geringsten Erschütterung können sie explodieren: durch einen Spaten, eine Pflugschar oder sogar ein kleines Holzfeuer beim Kochen. Jeder hier kennt jemanden, der bei einem solchen Unfall gestorben ist oder verletzt wurde. Doch hier hängt das Überleben auch davon ab, wieviel auf den Feldern angebaut werden kann. In den Dörfern ohne Elektrizität leben die Familien dank der Jagd, der Fischerei und der Landwirtschaft fast autark, indem sie ihre vorhandenen Güter tauschen. Deswegen gehen sie weiterhin jeden Tag auf die Felder, wenn auch mit Angst im Bauch.

Deshalb bringt Oncha so viel Enthusiasmus mit.

„Ich liebe meinen Beruf. Es ist wichtig, dass diese Arbeit gemacht wird, weil die Menschen wirklich unter den explosiven Waffen im Boden leiden. Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Flächen in Laos ist immer noch nicht geräumt. Die Flächen müssen sicher gemacht werden, damit keine Gefahr mehr für die Menschen besteht!“ An diesem Abend werden alle gefundenen Submunitionen in einer letzten Explosion zerstört. In diesem Reisfeld wird es keine weiteren Opfer mehr geben.

„Ich habe keine Angst"

Ein Jahr lang erhielt Oncha eine sehr anspruchsvolle Ausbildung. „Ich habe keine Angst. Es stimmt, dass ein Risiko besteht, aber ich kenne meine Arbeit und die Sicherheitsmaßnahmen. Es reicht, diese Maßnahmen zu befolgen, dann läuft alles gut“, sagt sie lächelnd. Dennoch ist ihre Arbeit fordernd. Sie muss sich an ein sehr genaues Sicherheitsverfahren halten und gleichzeitig effizient arbeiten. Meistens steht sie in der prallen Sonne und muss schnell vorankommen, um den Bauern ihre Felder so schnell wie möglich zurückzugeben.

„Jedes Mal, wenn ich eine Bombe finde, weiß ich, dass sie niemandem mehr Schaden zufügen kann. Das macht mich sehr glücklich. Und sobald wir ein Feld geräumt haben, bekommen die Bauern es zurück und danken uns. Dann hat sich ihr Leben dank uns verändert. Deswegen bin ich sehr stolz auf meine Arbeit!“ erklärt sie lächelnd.
 

27 Februar 2020
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