Gehe zum Hauptinhalt

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung: Die Vergessenen in der Nothilfe

Rechte von Menschen mit Behinderung
Deutschland

75% aller Menschen mit Behinderung sind in im Fall von Notsituationen von der humanitären Hilfe ausgeschlossen. Wir fordern deshalb, dass die internationale Gemeinschaft umdenkt und diese Diskriminierung beendet.

Ein Mann schiebt seinen Nachbarn im Rollstuhl durch ein Flüchtlingscamp in Jordanien.

Flüchtlingslager in Jordanien | © C. Fohlen/ Handicap International

Humanitäre Krisen: Menschen mit Behinderung sind unsichtbar

Menschen mit Behinderung sind oft von den humanitären Maßnahmen in Krisensituationen wie bewaffneten Konflikten oder Naturkatastrophen ausgeschlossen. Dies geht aus unserer Studie Disability in Humanitatian Contexts  vom Oktober 2015 hervor. 75 % der befragten Menschen mit Behinderung gaben an, kaum Zugang zu humanitären Basisdiensten wie Wasser, Nahrung, Gesundheitsversorgung oder Unterkunft zu haben.

"Menschen mit Behinderung müssen eine Menge Hindernisse überwinden, um Zugang zu humanitärer Hilfe zu erhalten“, erklärt Camille Gosselin, verantwortlich für Advocacy-Arbeit bei Handicap International zum Thema Humanitäre Hilfe. „Die Gründe hierfür sind vielfältig: mangelndes Wissen über verfügbare Dienste, erschwerter Zugang durch hohe Entfernungen oder nicht angepasste Infrastruktur etc. Es ist eine Frage des gesunden Menschenverstandes, dass wir hier Verbesserungen anstreben. Die internationale Gemeinschaft muss sich im Rahmen des COP und des kommenden humanitären Weltgipfels endlich engagieren, um diese Diskriminierungen zu beenden!“

Handicap International engagiert sich für inklusive humanitäre Maßnahmen

Die Programme von Handicap International beziehen schutzbedürftige Menschen  mit ein: Dafür sind die Anlaufstellen „Behinderung und Schutzbedürftigkeit“ ein schönes Beispiel. Es handelt sich um vorläufige und flexible Strukturen (Zelte, Hütten, Fertigbauten), die direkt in den betroffenen Gemeinschaften aufgebaut werden. Diese Anlaufstellen werden von mobilen Teams unterstützt, die dafür sorgen, dass wirklich alle schutzbedürftigen Menschen Zugang zu den Hilfsangeboten erhalten.

Unsere Teams unterstützen darüber hinaus die Programme zahlreicher anderer humanitärer Hilfsorganisationen und stellen so sicher, dass diese für alle Menschen zugänglich sind. Für das humanitäre Personal bietet Handicap International außerdem Schulungen und Kampagnen an. Ihnen soll vermittelt werden, wie die Schutzbedürftigsten besser ausfindig gemacht und in die Aktivitäten einbezogen werden können.

Im Mai 2016 findet der nächste Humanitäre Weltgipfel in Istanbul statt. Wir fordern daher nachdrücklich, dass die Normen der humanitären Hilfe angepasst werden und die Maßnahmen wirklich inklusiv werden.

4 Dezember 2015
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Mädchen mit Behinderung werden doppelt diskriminiert
© Pascale Jérôme Kantoussan/HI
Inklusion Rechte von Menschen mit Behinderung

Mädchen mit Behinderung werden doppelt diskriminiert

Mädchen mit Behinderung dürfen oftmals nicht in die Schule gehen. Anlässlich des Internationalen Tages der Bildung am 24. Januar ruft die gemeinnützige Organisation Handicap International (HI) dazu auf, diese Ungerechtigkeit und Benachteiligung zu bekämpfen. Eine Untersuchung, die HI in Ländern der Sahelzone durchgeführt hat, zeigt, dass Mädchen mit Behinderung in vielen Familien als „Strafe“ oder „Tragödie“ angesehen werden. Nur wenige dürfen die Schule besuchen. Ein Mädchen zu sein und eine Behinderung zu haben, stellt eine doppelte Diskriminierung dar. So unterstützt Handicap International in Burkina Faso, Mali und Niger diese Kinder, schult Lehrer, klärt auf, spricht mit den Eltern und stärkt lokale Behindertenorganisationen. 

Interview mit Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller
© Janine Schmitz/photothek.net
Inklusion Rechte von Menschen mit Behinderung

Interview mit Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller

Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), stuft die derzeitige Lage in vielen Entwicklungsländern als dramatisch ein. Im Interview mit HI warnt Müller davor, dass an den Folgen der Corona-Pandemie in Afrika mehr Menschen sterben werden als am Virus selbst. 

Die Angst vor Corona
© HI
Nothilfe Rechte von Menschen mit Behinderung Rehabilitation und Orthopädie Vorsorge und Gesundheit

Die Angst vor Corona

Das Leben war nicht gut zu Frau Dhahabo. Von ihren acht Kindern sind nur noch sechs am Leben. Sie lebt mit zwei von ihnen im Flüchtlingslager Kalobeyei und ist von den anderen vier getrennt: zwei von ihnen sind in Nairobi  und zwei in Äthiopien. Sie lebt in einem Haus aus getrockneten Lehmwänden und Plastikplanen, mit zwei Enkeln und einer schwerhörigen Tochter.