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Kanha schaut nach vorn und nicht zurück

Inklusion Minen, Streubomben und andere Waffen Vorsorge und Gesundheit
Kambodscha

Kanha ist 14 Jahre, sie büffelt Englisch und Geschichte, und will Anwältin oder Ärztin werden. Auf seiner Reise durch Kambodscha begegnet Mario Galla ihr in ihrer Schule im Provinzdorf Memot. Kanha bestaunt Gallas Prothese und zieht dann selbst das Hosenbein hoch: Im Alter von sechs Jahren riss ihr ein Blindgänger das rechte Bein halb ab. Auch sie trägt eine Prothese.

Zu sehen ist Kanha, lange schwarze Haare, freundliche Augen und ehrlich lächelnd.

Ein Lächeln, das ansteckend ist - Die vierzehnjährige Kanha blickt optimistisch in die Zukunft. | © Pascale Jérome / Handicap International

Sie spielte in der Nähe ihres Elternhauses, als die Munition einer Streubombe hoch ging. Das Haus ihrer Familie stürzte ein, ihr Vater starb. Ihre Mutter überlebte die Explosion wie durch ein Wunder. Nach dem Unfall brachte die Mutter ihre sechsjährige Tochter Kanha erst in die Ambulanz von Memot, dann in das Krankenhaus im 90 Kilometer entfernt gelegenen Kampong Cham. Ihr rechter Unterschenkel musste amputiert werden. Ein paar Monate später erhielt das Mädchen die erste von bisher sieben Prothesen.

"Ich wachse halt schnell", sagt Kanha mit einer Selbstverständlichkeit, mit der ihre Altersgenossinnen in Deutschland über Zahnspangen plaudern. Ist sie wütend über ihr Schicksal? "Ach nein", sagt sie. "Darüber denke ich nicht nach." Zumal sie nicht die einzige mit einer Prothese ist. Zwar sind in ihrem Freundeskreis keine weiteren Landminenopfer, aber einige haben Gliedmaßen durch Verkehrsunfälle verloren. Das ist in Kambodscha keine Seltenheit.

Kanha lächelnd in einem Klassenzimmer vor einer Tafel in Schuluniform.

Schon immer hochmotiviert im Klassenzimmer - Kanha im Dezember 2013 © J. Gustin / Handicap International

Etwa 8,1 Prozent aller Kambodschanerinnen und Kambodschaner leben mit einer Behinderung. Neben Verkehrsunfällen auf den maroden Straßen, Krankheiten wie Diabetes und Komplikationen bei der Geburt, sind Unfälle mit nicht explodierten Kriegsüberresten eine häufige Ursache für Behinderung.

Kanha hat mittlerweile ihre siebte Prothese bekommen. Da Kinder in ihrem Alter schnell wachsen, muss ihnen mindestens zweimal im Jahr eine neue Prothese angefertigt werden. Sie ist zuversichtlich: „Ich kann alles machen“, sagt sie. „Ich schaue nach vorn, nicht zurück.“

Dieser Satz könnte auch von Mario Galla stammen, der selbst vor Ort war und Khana getroffen hat. Über sein Treffen schreibt Mario Galla im Reiseblog:

„En 200 km langer Schotterweg in die Nähe von Kampong Cham, wo wir Kanha treffen, ein 14 jähriges Mädchen, das mit 6 Jahren ihren Vater und ihr linkes Bein durch einen Blindgänger verloren hat - eine Geschichte, wie sie häufig zu finden ist, in einem Land, in dem fast 3 Millionen grausamer Tötungsinstrumente wie Landminen und Streubomben und ähnliche verteilt wurden. Wir haben Kanha in ihrer Schule getroffen, wo wir uns mithilfe unseres kambodschanischen Begleiters, Mr. Sopha von Handicap International, unterhalten haben. Als wir dann noch ein paar Fotos gemacht haben, hat sie mir ein bisschen Nachhilfe in Sachen Posing gegeben.“

WKanha und Mario Galla zeigen sich ihre Prothesen.ährend des Vietnamkrieges warfen die USA 26 Millionen Bomben über Kambodscha ab. Streubomben, Anti-Personen-Minen, Antipanzerminen und Blindgänger verseuchen auch heute noch großflächige Landstriche in Kambodscha. Geschätzt stellen 1,9 bis 5,8 Millionen nicht explodierte Kriegsreste auch heute noch eine lebensbedrohliche Gefahr für die Bevölkerung dar. Besonders stark bombardiert wurde Kanhas Heimat im Osten Kambodschas.

 

Handicap International hat jahrelang selbst Minen und Blindgänger geräumt und beim Aufbau des staatlichen Minenaktionszentrums geholfen. Außerdem haben wir eine Vielzahl physischen Rehabilitationszentren aufgebaut und größtenteils in lokale Verantwortuing übergeben. Hier wird sowohl den Opfern von Minenunfällen als auch anderen Menschen mit Behinderung geholfen - heute verursachen Verkehrsunfälle einen großen Teil neuer Behinderung. Im Zentrum in Kampong Cham bekommen Kanha und viele andere Opfer von Minenunfällen regelmäßig Physiotherapie-Einheiten und können heute fast ohne Einschränkungen ihrem alltäglichen Leben nachgehen.

 

© Paul James Hay / Handicap International

So unterstützt Handicap International seit fast 30 Jahren Kinder wie Khana, die Opfer von Minen und Blindgängerunfällen geworden sind, um ihnen ein aufrechtes Leben zu ermöglichen.

Kanha und Galla sitzen gemeinsam an einer Schulbank.

Teilnahme am Schulalltag als Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft - Da drückt auch Mario Galla gerne nochmal die Schulbank © Paul James Hay / Handicap International

Lesen Sie hier mehr über das Engagment von Model Mario Galla

14 Juli 2017
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