Gehe zum Hauptinhalt

Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Landminenmonitor 2019: Das vierte Jahr in Folge besonders viele Minenunfälle

Minen und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit
International

Der am heutigen Donnerstag veröffentlichte Landminen Monitor 2019 berichtet das vierte Jahr in Folge über außergewöhnlich hohe Unfallzahlen mit Landminen und Blindgängern. Der aktuelle Monitor verzeichnet für das Jahr 2018 6.897 getötete und verletzte Menschen, wobei die Dunkelziffer immer höher ist. Auffällig ist insbesondere, dass 3.789 Menschen durch improvisierte Minen getötet oder verletzt wurden – dies ist die höchste jemals vom Monitor registrierte Zahl. Die hohen Opferzahlen sind hauptsächlich auf bewaffnete Konflikte in Afghanistan, Libyen, Nigeria, Syrien und anderen aktuellen Konfliktgebieten zurückzuführen. Der Ottawa-Vertrag über das Verbot von Landminen ist vor 20 Jahren in Kraft getreten. Vom 25. bis 29. November treffen sich hierzu die Vertragsstaaten zur Überprüfungskonferenz in Oslo, Norwegen. Handicap International (HI) fordert die Staaten auf, das humanitäre Völkerrecht durchzusetzen und Druck auf die Kriegsparteien auszuüben, damit sie den Einsatz dieser menschenverachtenden Waffen beenden.

Minenräumarbeiten auf dem Gelände von Mundu (Tschad)

Minenräumarbeiten auf dem Gelände von Mundu (Tschad) | © Gilles Lordet/HI

Doppelte Opferzahlen seit 2014

Der Bericht des heute vorgelegten Landminen Monitors erfasst die Wirkung des Ottawa-Vertrags, der den Einsatz, die Herstellung, den Handel und die Lagerung von Antipersonenminen verbietet und die Räumung verminter Regionen sowie die Unterstützung der betroffenen Menschen fordert. Die Erhebungen erstrecken sich zum Teil bis November 2019, soweit Daten verfügbar waren.

Der Bericht zeigt, dass die Zahl der neuen Opfer von fabrikgefertigten oder selbstgebauten Antipersonenminen und explosiven Kriegsresten im vierten Jahr in Folge hoch bleibt (6.897 im Jahr 2018, 7.253 im Jahr 2017, 9.439 im Jahr 2016 und 6.971 im Jahr 2015). Die Anzahl der Opfer hat sich zwischen 2014 und 2018 nahezu verdoppelt (6.897 neue Opfer im Jahr 2018 gegenüber 3.998 im Jahr 2014). Im Jahr 2014 verzeichnete der Monitor durchschnittlich etwa 10 getötete oder verletzte Menschen pro Tag; 2018 verdoppelte sich die Rate. Zahlreiche Opfer wurden nicht erfasst, da es in einigen Gegenden Schwierigkeiten gab, die Daten zu ermitteln.

Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung von HI Deutschland zu den Ergebnissen:

„Der Ottawa-Vertrag ist vor 20 Jahren in Kraft getreten und hat dazu geführt, dass der Einsatz von Landminen und die Anzahl der Opfer stark zurückgegangen sind. Aber in den letzten Jahren erleben wir einen alarmierenden Anstieg bei der Verwendung von Minen, was zu einer nicht hinnehmbaren Opferzahl geführt hat. Unsere Arbeit gegen Landminen ist noch nicht beendet. Wir müssen die Anwendung des Ottawa-Vertrags verteidigen, uns für die Unterstützung der Opfer einsetzen und uns angesichts improvisierter Landminen neuen Herausforderungen stellen. Wir brauchen noch immer die Unterstützung der Bürger/-innen, um Landminen vollständig von der Erde zu verbannen.“

Viele Opfer sind Kinder

Die meisten Menschen, die durch Antipersonenminen verletzt oder getötet werden, stammen aus der Zivilbevölkerung: 2018 waren 71 Prozent dieser Menschen Zivilist/-innen, davon 54 Prozent Kinder.  Die meisten neuen Unfälle gab es in Afghanistan (2.234), Myanmar (430), Syrien (1.465), der Ukraine (325) und im Jemen (596). Weltweit wurden in 50 Staaten und Gebieten Unfälle mit Minen und Blindgängern registriert.

Der Landminen Monitor bestätigte auch einen erneuten Einsatz von Antipersonenminen durch Regierungskräfte in Myanmar zwischen Oktober 2018 und Oktober 2019. Das Land hat den Minenverbotsvertrag nicht unterzeichnet. Und auch nichtstaatliche Gruppen setzten in mindestens sechs Ländern Antipersonenminen, einschließlich selbstgebauter Minen, ein: in Afghanistan, Indien, Myanmar, Nigeria, Pakistan und im Jemen. In diesem Jahr verzeichnete der Landminen Monitor die höchste Anzahl von Opfern selbstgebauter Minen seit der Veröffentlichung seines ersten Berichts im Jahr 2000: 3.789 Menschen wurden 2018 durch solche Minen getötet oder verletzt. Das entspricht 54 Prozent der vom Monitor insgesamt erfassten neuen Opfer (6.897).

Herausforderung für die Minenräumung

Der Einsatz von Minen hat zu einer Kontaminierung geführt, die langfristig das Leben tausender Menschen gefährdet. Insgesamt sind 60 Staaten und Gebiete weltweit mit Minen und explosiven Kriegsresten verseucht. Nur durch die rasche Räumung können Unfälle vermieden werden.

Obwohl sie hauptsächlich von nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen eingesetzt werden, fallen auch improvisierte Antipersonenminen in den Geltungsbereich des Ottawa-Vertrags. Ein Dialog mit einigen nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen, der sie überzeugen soll, auf solche Waffen zu verzichten, kann ebenso möglich sein wie ihr Beitritt zum Vertrag. Auch die Minenräumung ist eine Verpflichtung aus dem Ottawa-Vertrag und bietet die Chance, bewaffneten Gruppen den Zugang zu Waffen und Munition zu versperren, da sie viele improvisierte Minen aus entsorgten Sprengstoffen oder Überresten herstellen.

In den meisten verminten Ländern ist die Beseitigung der Minen in den nächsten Jahren möglich, wenn die betroffenen Staaten, Geldgeber und erfahrene Organisationen der Minenaktion wie Handicap International effektiv zusammenarbeiten. Die Vertragsstaaten des Ottawa-Vertrags haben sich das Ziel gesetzt, eine weitgehend minenfreie Welt bis 2025 zu erreichen. HI präsentiert bei der Überprüfungskonferenz in Oslo wichtige Erfahrungen mit technischen Innovationen sowie einem ganzheitlichen Ansatz der Minenräumung.

Über den Vertrag

Der Ottawa-Vertrag verbietet den Erwerb, die Herstellung, die Lagerung und den Einsatz von Antipersonenminen und regelt die Räumung verminter Regionen sowie die Unterstützung der betroffenen Menschen. Der Vertrag wurde am 3. Dezember 1997 zur Unterzeichnung freigegeben. Er ist am 1. März 1999 in Kraft getreten. Insgesamt 163 Staaten haben ihn bis heute unterzeichnet, davon haben 162 Staaten ratifiziert.

 

Den vollständigen Report auf Englisch finden Sie hier als PDF zum Download.

Die wichtigsten Ergebnisse auf Englisch (Major findings) finden Sie hier als PDF zum Download.

20 November 2019
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Jemen: viele zivile Opfer bei jüngsten Militärangriffen
© ISNA Agency / HI
Minen und andere Waffen Nothilfe

Jemen: viele zivile Opfer bei jüngsten Militärangriffen

Hilfsorganisationen im Jemen sind sehr besorgt über hohe Anzahl ziviler Opfer in jüngsten Militärangriffen.

 

Kundgebung in Genf gegen US-Entscheidung für Minen
© B. Barbey /HI
Minen und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit

Kundgebung in Genf gegen US-Entscheidung für Minen

Anlässlich des 23. Internationalen Treffens der Leiter nationaler Minenaktionsprogramme im Palais des Nations in Genf appelierten Handicap International und HI-Botschafterin und Minenopfer Gnep Smoeun am 13.02.2020 an die Bevölkerung. Unter dem Broken Chair, dem symbolischen Denkmal für die Opfer von Landminen in Genf, riefen wir die Unterzeichnerstaaten des Ottawa-Vertrags auf, geschlossen eine Rücknahme der Entscheidung der US-Regierung zur Wiedereinführung von Landminen zu fordern. 

Verhandlungen gegen Bombenangriffe in Wohngebieten
© HI
Minen und andere Waffen

Verhandlungen gegen Bombenangriffe in Wohngebieten

Am Montag, dem 10. Februar, treffen sich bei den Vereinten Nationen in Genf staatliche Delegationen, Militärs, UNO-Organisationen und die Zivilgesellschaft, um über eine politische Erklärung gegen den Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten zu diskutieren. Handicap International und Mitglieder des Internationalen Netzwerks für Explosivwaffen (INEW) arbeiten mit den Staaten zusammen, um sie zu überzeugen, eine starke politische Erklärung zur Beendigung des menschlichen Leidens, das durch den Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten verursacht wird, auszuarbeiten und die Opfer zu unterstützen.

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ