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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Minenräumung unter extremen Bedingungen

Minen und andere Waffen
Tschad

Seit November 2018 führt HI im Tschad in der Nähe von Faya-Largeau, der Hauptstadt der Provinz Borku, ein Projekt zur Räumung von explosiven Kriegsresten wie Landminen und Explosivwaffen durch. Rund 50 Entminer/-innen sind dort im Einsatz. Gilles Lordet, Kommunikationsbeauftragter für HI, hat das Team bei einem typischen Morgeneinsatz begleitet.

Auf dem Bild gehen die Entminder mit ihrer schweren Ausrüstung auf einem Pfad in der Wüste im Tschad entlang

Der Arbeitsalltag mitten in der Wüste bei 40°C am Morgen | © Gilles Lordet / HI

4.30 Uhr. Das Team bricht vor Sonnenaufgang auf. Wir fahren zu einem Einsatzgebiet in Wadagar, etwa zehn Meilen von Faya-Largeau entfernt. Das Entminungsteam startet so früh, um den kühlen Morgen für die Arbeit zu nutzen.

5.00 Uhr. Wir kommen in Wadagar an, das wir nach 15 Minuten Fahrt stadtauswärts erreichen. Wir befinden uns jetzt mitten in der Wüste. Unser Basislager liegt an einem Zufahrtsweg. Die 15 Minenräumer/-innen, die an diesem Morgen hier tätig sind, versammeln sich um Pitchou Lousamba, den Einsatzleiter. Dieser erklärt, was an diesem Tag gemacht werden soll: „Wir beginnen mit der Räumungsmaschine. Die Minenräumteams werden nur da eingesetzt, wo es ergänzend nötig ist.“     

Einsatz der Räumungsmaschine

5.30 Uhr. Bei der Räumungsmaschine handelt es sich um das Modell SAG200, das speziell für HI und die Räumung der explosiven Kriegsreste im Tschad gebaut wurde. Die Maschine funktioniert wie eine Art großer Mähdrescher mit rotierenden Vorderarmen, der alle Sprengkörper zur Detonation bringt, die seinen Weg kreuzen. Von einer Garage im Zentrum von Faya-Largeau wird die Maschine per LKW zur Baustelle transportiert. Der Räumungsexperte Charles Coly, der für den Umgang mit der Maschine ausgebildet wurde, steuert sie aus sicherer Entfernung:

„Aus Sicherheitsgründen muss ich immer mehr als 150 Meter von der Maschine entfernt sein, wenn sie sich auf mit Kriegsresten verseuchtem Land befindet. Die vorderen Arme drehen sich mit fast 3.000 Umdrehungen pro Minute. Sie graben 20 Zentimeter tief in den Boden und zerstören alle Sprengkörper, die ihnen im Weg sind. Normalerweise werden die Minen dabei automatisch in Stücke gerissen – sie haben nicht einmal Zeit zum Explodieren. Doch manchmal passiert es dennoch. Vor einigen Wochen explodierte eine Rakete, als die Maschine über sie hinwegfuhr. Die Maschine ist unversehrt geblieben. Sie ist so konstruiert, dass sie einer Explosion standhält.“

Gilles Lordet erklärt in einem kurzen Video seine Eindrücke aus dem Tschad © HI

6.30 Uhr. Das Wetter und fehlender Wind haben die Sicht so beeinträchtigt, dass die Maschine nicht richtig genutzt werden kann. Supervisor Pitchou beschließt, ihren Einsatz zu beenden und schickt stattdessen die Entminungsteams zur manuellen Minenräumung los.

7.00 Uhr. Sechs Minenräumer/-innen rüsten sich mit Schutzkleidung, Helmen und Metalldetektoren aus. Entlang des 200 Meter langen Zugangswegs machen sie sich zum Einsatzgebiet auf. Sie arbeiten in Zweierteams. Der erste entmint und der zweite schaut aus sicherer Entfernung zu – bereit einzugreifen, wenn es ein Problem gibt.

7.30 Uhr. Die manuelle Minenräumung braucht viel Zeit und Geduld. Die Entminer/-innen arbeiten entlang eines meterbreiten Korridors. Sie bewegen den Metalldetektor über dem Boden und schreiten in Schritten von 40 Zentimetern voran. Ein Lineal auf dem Boden markiert jeden Schritt nach vorne.

„Es mag nicht so aussehen, aber es ist ein anstrengender Job. Es sind 40 Grad, wir stehen in der prallen Sonne und tragen die gesamte Ausrüstung. Minenräumer brauchen regelmäßige Pausen. Sie müssen sich voll und ganz auf die Arbeit konzentrieren. Ihre Bewegungen müssen präzise sein und sie müssen jederzeit genauestens den Anweisungen folgen“, sagt Pitchou.

8.00 Uhr. Die Temperatur steigt auf 40 Grad. Die Räumungsteams arbeiten in 45-minütigen Schichten. Um zehn Uhr machen sie eine Pause zum Trinken und Essen. Dann arbeiten sie weiter bis zum Mittag, wenn alle Teams zum Basislager zurückkehren. In der Zwischenzeit wird die Maschine zurück in die Werkstatt gebracht, wo sie routinemäßig überprüft wird.

Diese Räumung von explosiven Waffen ist Voraussetzung, um die Wege und das Land wieder für die lokale Bevölkerung freigeben zu können. So eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Region von Faya-Largeau, die sich vor allem aufgrund der explosiven Kriegsreste nur langsam entwickelt hat.

Bereits um 4:30 Uhr morgens beginnt der Arbeitstag, weil es gegen Mittag zu heiß zum Arbeiten wird © Gilles Lordet / HI

2 August 2019
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Syrien: Es ist dringend erforderlich, den Schutz von Zivilisten und humanitären Helfern zu gewährleisten.
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Im Nordosten Syriens wiederholt sich der Kreislauf von Gewalt, Angst und Unsicherheit für die Bewohner/-innen! Wieder einmal sind Zivilist/-innen die ersten Opfer von Bombenanschlägen. Handicap International (HI) ist äußerst besorgt angesichts der militärischen Eskalation und der Bedrohung der Zivilbevölkerung. HI ruft alle Konfliktparteien auf, die Zivilbevölkerung zu schützen, insbesondere in den von Luftangriffen und Artilleriefeuer betroffenen Ballungsgebieten.

Militäreinsatz im Nordosten Syriens: Der Schutz der Zivilbevölkerung und humanitären Helfer/-innen ist lebensnotwendig
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Militäreinsatz im Nordosten Syriens: Der Schutz der Zivilbevölkerung und humanitären Helfer/-innen ist lebensnotwendig

Die jüngste Militäroffensive im Nordosten Syriens droht tausende Zivilist/-innen von Hilfe abzuschneiden und treibt viele in die Flucht, die oft schon vorher innerhalb Syriens geflohen waren. Davor warnen 15 Hilfsorganisationen, darunter Handicap International. CARE, Ärzte der Welt und Oxfam. Sie fordern die Konfliktparteien dazu auf, das humanitäre Völkerrecht uneingeschränkt zu respektieren und in dicht besiedelten Gebieten keine explosiven Waffen einzusetzen. 


 

Wiener Konferenz: Mehrheit der Staaten für mehr Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombardierungen
© B. Chapuis / HI
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Wiener Konferenz: Mehrheit der Staaten für mehr Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombardierungen

Wien, 2. Oktober 2019. Vertreter/-innen von 133 Staaten und der Zivilgesellschaft kamen für zwei Tage in Wien zur „Internationalen Konferenz zum Schutz der Zivilbevölkerung in der städtischen Kriegsführung“ zusammen. Die Mehrheit der Teilnehmer/-innen unterstützte die Notwendigkeit, dass das menschliche Leid, das durch den Einsatz von Explosivwaffen verursacht wird, beendet werden muss und zeigte sich dazu bereit, mit diesem Ziel an einem politischen Instrument zu arbeiten. Die Konferenz ebnete den Weg für einen Verhandlungsprozess, an dessen Ende im Frühjahr 2020 eine politische Erklärung zur Verabschiedung vorgelegt werden soll. Die Vertreter Deutschlands verpflichteten sich in Wien, konstruktiv an dem Prozess hin zu einer politischen Erklärung mit zu arbeiten. Handicap International hatte jahrelang auf die menschliche Tragödie durch die Bombardierung in Wohngebieten hingewiesen. Die Organisation begrüßte die große Anzahl an teilnehmenden Staaten und unterstrich, dass auch konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Opfer Teil der Erklärung sein müssen. 

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ