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Nach 5 Jahren Krieg sind viele Kinder traumatisiert

Libyen

Handicap International ist seit 2011 in Libyen präsent. Wegen der äußerst instabilen politischen Lage und der Unsicherheit im Land haben wir unsere Teams seit Juli 2014 nach Tunis in Tunesien verlegt. Anne Barthès, die den Einsatz seit Februar 2016 leitet, erzählt uns von den aktuellen Projekten für vertriebene Familien und traumatisierte Kinder – fünf Jahre nach dem Fall des Regimes von Muammar al-Gaddafi.

Sieben geflohene Kinder, die aktuell in Tripolis leben, sind auf dem Foto zu sehen

Eine Gruppe von Kindern von vertriebenen Familien in einem Vorort von Tripolis | Handicap International

Gefährdete Kinder

„Seit August arbeiten wir ausschließlich mit Kindern von vertriebenen Familien in Tripolis, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Kinder mit Behinderung. Ein mobiles Team, das aus einem Krankengymnasten und zwei Psychosozialarbeitenden besteht, fährt durch die Flüchtlingslager und deren Umgebung, denn viele Flüchtlinge wurden von Gastfamilien aufgenommen. Mit der Hilfe von Sprechern der Vertriebenen machen sie behinderte Kinder ausfindig, die wegen ihrer Behinderung besondere Unterstützung benötigen. Sie stellen Krücken, Gehhilfen und Rollstühle zur Verfügung und bieten Reha-Maßnahmen an. Wenn es notwendig ist, werden die Familien der Kinder an das nächste Gesundheitszentrum verwiesen.“

 

Menschen mit Behinderung einbeziehen

„Unsere Teams sensibilisieren die Vertriebenen dafür, was Behinderung bedeutet. Und sie geben Ratschläge, wie man Menschen mit Behinderung besser in die Familien, in Gemeinschaften oder im Stadtviertel integrieren  kann. Ein sehr wichtiger Punkt ist, dass wir auf diesem Weg – also durch die Sensibilisierungskampagnen – die Menschen auch über psychosoziale Leiden informieren können: Nach den fünf Jahren Krieg, in denen so viele Menschen vor den Kampfhandlungen geflohen sind, zeigen viele Kinder Anzeichen von Angststörungen, Depressionen oder eben psychischen Traumata. Leider sind psychische Probleme in Libyen wenig bekannt oder sogar tabu. Wir bringen Familien, deren Kinder solche Symptome aufweisen, in Kontakt mit Organisationen, die geeignete Hilfe anbieten. Zum Beispiel gibt es unterhaltende Aktivitäten auf Spielplätzen oder Gesprächstherapie in Gruppen, manchmal auch in Gegenwart der Eltern.“

 

Das Gesundheitssystem unterstützen

„Wir unterstützen die Abteilungen für Krankengymnastik in vier Krankenhäusern und Gesundheitsstationen: Wir spenden Ausrüstungen wie zum Beispiel Krücken, Gehhilfen und Rollstühle und bieten Fortbildungen für das medizinische Personal an, in denen es lernen kann, wie man psychosoziale Störungen erkennt.“

 

Informationen über bestehende Versorgungsangebote

„Die geflüchteten Familien sind sehr schlecht über die medizinischen Möglichkeiten vor Ort informiert, sie kennen oft weder die Öffnungszeiten noch die Kosten etc. Die Menschen werden nicht behandelt, obwohl sie dringend eine Behandlung benötigen und die Möglichkeit hierzu vorhanden wäre. Deshalb produzieren wir gerade eine Informationsbroschüre über die Gesundheitszentren in Tripolis: wo sie sich befinden, worauf sie spezialisiert sind. Diese Broschüre werden wir Ende August an die vertriebenen Familien verteilen.“

7 September 2016
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