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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Landminenmonitor 2017: Erneut Anstieg der Opferzahlen

Minen, Streubomben und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit
Afghanistan Jemen Libyen Ukraine

Der am 14.12. von der ICBL in Genf vorgestellte Landminenmonitor 2017 zeigt im dritten Jahr in Folge einen dramatischen Anstieg der Opferzahlen durch Minen und explosive Kriegsreste. Mindestens 8.605 Menschen wurden durch diese Waffen im Jahr 2016 getötet oder verletzt. 2013 waren es noch 3.450 Menschen. Der massive Anstieg seither ist vor allem auf die hohen Opferzahlen in den Konfliktgebieten in Afghanistan, dem Jemen, Libyen und der Ukraine zurückzuführen. Handicap International ruft die Staaten auf, das internationale humanitäre Recht durchzusetzen und Druck auf alle Konfliktparteien auszuüben, um dem Einsatz dieser barbarischen Waffen ein Ende zu setzen. Dies geschieht im Vorfeld des Treffens der Vertragsstaaten des Ottawa-Vertrags zum Verbot von Anti-Personen-Minen, das vom 18. bis zum 21. Dezember in Wien stattfindet.

Zu sehen ist ein Entminer in Schutzkleidung. Gerade sichert er eine Stabmine.

Gemeinsam stark - Eines unserer Räumungsteams in Kolumbien stellt sich der lebensgefährlichen Aufgabe der Entminung. | (c) Jules Tusseau/HI

Höchste Anzahl an Opfern seit erstem Erscheinen des Monitors

Der Landminenmonitor 2017 analysiert die Umsetzung des Ottawa-Vertrags anhand von Daten, die bis Ende 2016 erhoben wurden (und in einzelnen Fällen bis heute). Dieser Vertrag verbietet Einsatz, Produktion, Transfer und Lagerung von Anti-Personen-Minen und fordert die Unterstützung betroffener Länder durch Räumung und Opferhilfe. Seit der Vertrag vor 20 Jahren geschlossen wurde, ging die Zahl der Opfer zurück – bis 2013. Für das Jahr 2017 verzeichnet der Monitor die höchste Anzahl an Opfern seit seiner ersten Veröffentlichung im Jahr 2000. Damals wurden für das Jahr 1999 9.228 Tote und Verletzte dokumentiert. Die meisten Unfälle ereigneten sich 2016 in Afghanistan, dem Jemen, Libyen, Syrien und der Ukraine. Mit 78 Prozent stammte die große Mehrheit der von Anti-Personen-Minen getöteten und verletzten Menschen aus der Zivilbevölkerung. Besonders erschreckend: 42 Prozent der zivilen Opfer waren Kinder. 

Bewegende Einzelschicksale hinter den Zahlen

Afghanistan - Sediqullah ist 8 Jahre alt. Bei  einer Minenexplosion verlor er sein rechtes Bein. Vor allem Kinder zählen zu den gefährdeten Gruppen, da sie beim Spielen in verminte Gebiete gelangen, oder Blindgänger als Spielzeug benutzen.

Sediqullah ist dabei nur ein Beispiel für die vielen verheerenden Auswirkungen, die vor allem die Zivilbevölkerung bei dem Einsatz von Minen zu tragen hat. Handicap International unterstützt den Jungen mit einer Prothese und notwendigen Rehabilitationsmaßnahmen in der Stadt Kandahar.

Aktuelle Konflikte als Hauptursache

Noch nie forderten improvisierte Minen (von den Kampfparteien hergestellte Sprengsätze, die wie Anti-Personen-Minen funktionieren) so viele Opfer: 1.805 Menschen, darunter allein 1.180 in Afghanistan. Der Ottawa-Vertrag verbietet den Einsatz von sogenannten „opfer-aktivierten“ Minen und gilt deshalb auch für „improvisierte Minen“, die genau wie Anti-Personen-Minen wirken.

 

Der Landminenmonitor bestätigt neue Einsätze von Anti-Personen-Minen durch die Regierungstruppen Myanmars und Syriens zwischen Oktober 2016 und Oktober 2017. Ansonsten setzten nur noch nicht-staatliche Gruppen Anti-Personen-Minen ein, darunter auch improvisierte Varianten, in mindestens neun Ländern: Afghanistan, Indien, Irak, Jemen, Myanmar, Nigeria, Pakistan, Syrien und Ukraine.

 

Insgesamt 61 Staaten und Gebiete sind weltweit von Minen betroffen, davon sind 33 Mitgliedsstaaten des Ottawa-Vertrags. Sie sind verpflichtet, die bekannten Kontaminierungen innerhalb von zehn Jahren zu räumen. Nur vier dieser Länder scheinen ihre Fristen einhalten zu können: Chile, die Demokratische Republik Kongo, Mauretanien und Peru.  

„Der Ottawa-Vertrag fordert die Vertragsstaaten auf, sich gegenseitig bei der Räumung verminter Gebiete zu unterstützen! Die Staatenkonferenz in Wien bietet die Möglichkeit, dass die Vertragsstaaten noch einmal verstärkte Anstrengungen ankündigen. Denn nur so werden sie das vor drei Jahren in Maputo gemeinsam gesetzte Ziel erreichen, die Welt bis 2025 von Minen zu befreien.“

Eva Maria Fischer, Leiterin Advocacy bei Handicap International Deutschland

KolumbieGroße Gefahr erfordert großen Mutn - Während und auch lange nach dem Ende von Kampfhandlungen, stellen Minen eine große Gefahr für die Zivilbevölkerung dar. Heldinnen des Alltags wie die erst zwanzigährige Angie, ausgebildete Entminerin, stellen sich der lebensgefährlichen Aufgabe, die betroffenen Gebiete zu räumen.

Trotz erschütternder Zahlen: Engagement einiger Geberländer gestärkt

Einen ersten Schritt in diese Richtung dokumentiert der neue Landminenmonitor: Im Jahr 2016 erhöhten 20 Geberländer ihre Unterstützung für Minenaktionen, also Aktivitäten wie Minenräumung und Opferhilfe, die die Folgen von Minen reduzieren. Zusammen mit nationalen Programmen betroffener Staaten in Höhe von rund 85 Millionen US Dollar wurden weltweit etwa 564,5 Millionen US Dollar für Minenaktionen ausgegeben. Dies entspricht einem Anstieg von ca. 40 Millionen im Vergleich zum Jahr 2015. 

 

Deutschland gehört neben den USA, der EU, Japan und Norwegen zu den größten Geldgebern für Minenaktion. Alleine die EU und Deutschland trugen 64 Prozent zum Anstieg der weltweiten Unterstützung für Minenaktion bei.

 

Die wichtigsten Fakten zum Landminenmonitor finden Sie hier.

 

Den kompletten Landminenmonitor 2017 finden Sie hier.

 

Und lesen Sie hier mehr über unsere Räumungsteams in Kolumbien.

Veröffentlicht am 14.12.17

14 Dezember 2017
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Seit der Eskalation des Konflikts im Jemen vor fast vier Jahren ist der humanitäre Bedarf im Land drastisch gestiegen. Es wird geschätzt, dass 24 Millionen Menschen – das sind 80 Prozent der Bevölkerung – im Jahr 2019 in irgendeiner Form humanitäre Hilfe benötigen[1]. Diese Zahl ist innerhalb von nur 12 Monaten um zwei Millionen bzw. 10 Prozent gestiegen. Dies lässt sich darauf zurückzuführen, dass die Wirtschaft im Jemen fast vollständig zusammengebrochen ist, sich der Konflikt über weite Teile des Landes erstreckt, Völkerrecht missachtet wird und immer mehr zivile Infrastrukturen zerstört werden. Insbesondere Schulen und Krankenhäuser sind betroffen. Darüber hinaus haben die Menschen keinen Zugang zu grundlegender Versorgung, was dazu beiträgt, dass viele an vermeidbaren Krankheiten sterben, die Anzahl der Vertriebenen stark ansteigt und sexuelle Gewalt zunimmt.

 

 

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In Faya-Largeau (Nord-Tschad) hat HI begonnen, Minensuchdrohnen zu testen. Das Ziel ist, genauer herauszufinden, welche Gefahren in und auf dem Boden lauern – Die neuen Drohnen sind eine Revolution in der Minenräumung! HI-Projektleiter Xavier Depreytere erklärt mehr zum Projekt.

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