Gehe zum Hauptinhalt

Sierra Leone: Gehen Kinder mit Behinderung nach Ebola wieder zur Schule?

Inklusion Rechte von Menschen mit Behinderung
Sierra Leone


Viele Kinder mit Behinderung konnten seit 2012 mit unserer Unterstützung zur Schule gehen - dann kam Ebola. Gehen sie nun wieder zur Schule? Unsere Teams überprüfen das derzeit Fall für Fall.

Fanta sitzt in einem Rollstuhl, um sie herum sind einige Menschen

Fanta aus Sierra Leone hat Zerebralparese. Lange ging sie nicht zur Schule. Dann musste sie wegen Ebola die Schule unterbrechen. Heute kann sie endlich wieder gehen - davon haben sich unsere Teams selbst überzeugt. | © Julia McGeown / Handicap International

Seit 2012 hilft Handicap International Kindern mit Behinderung in Sierra Leone, damit sie zur Schule gehen können. Nachdem die Schulen im vergangenen Jahr aufgrund der Ebola-Epidemie vorübergehend geschlossen wurden, sind sie mittlerweile wieder geöffnet. Nun überprüfen wir Fall für Fall, ob alle Kinder, die wir vor Ausbruch der Krise unterstützt haben, nun auch wieder zur Schule gehen – denn Bildung ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben.

Eines dieser Schulkinder ist die achtjährige Fanta. Sie hat Zerebralparese. Das kleine Mädchen lebt mit Mutter und Bruder in Kono, wo sie Anfang 2014 von unserer Kollegin Margaret gefunden wurde. Margaret viel auf, dass Fanta aufgrund ihrer Behinderung nicht zur Schule ging. Erstmal war nicht viel nötig, um sie in die Schule schicken zu können: Ein Rollstuhl und Geld für die Schulmittel. Zusätzlich unterstützten unsere Fachkräfte die Familie bei der schulischen Anmeldung und Fanta erhielt Physiotherapie.

“Ich war so glücklich, als ich zu meinen kleinen Bruder in die Schule gehen durfte”, sagte Fanta. “Ich bekam eine Schuluniform und Lehrbücher und ich fühlte mich wirklich wie die anderen Kinder. Leider war die Schule aufgrund von Ebola lange geschlossen und ich war wirklich traurig, dass ich nicht zur Schule gehen konnte.”

Unsere KollegInnen waren sehr erleichtert, als sie erfuhren, dass Fanta und ihre Familie nicht Opfer von Ebola geworden waren. Schließlich öffneten die Schulen wieder und Fantas KlassenkameradInnen und LehrerInnen waren froh, sie wiederzusehen. “Es ist toll, dass Fanta eine unserer Schülerinnen ist”, freut sich Herr Emmanuel, einer ihrer Lehrer. “Ihr ist es zu verdanken, dass wir unsere Gebäude umgebaut haben und dass wir immer so unterrichten, dass alle Kinder am Unterricht teilnehmen können.”

Margaret besucht Fanta regelmäßig, sowohl zu Hause als auch in der Schule. “Jedes Mal, wenn ich Fanta besuche, sehe ich wie gut sie mit den anderen Kindern zurechtkommt. Sie spielen gemeinsam und die anderen helfen ihr sogar, mit dem Rollstuhl herumzufahren. Und auch zu Hause ist es besser geworden. Fantas Mutter erzählte mir freudig, dass es ihrer Tochter nun viel besser gehe. Sie lasse keine Gelegenheit aus, um mit ihrem Schulheft und einem Bleistift das Schreiben zu üben.“

In Sierra Leone ist die Girls' Education Challenge, eine Schulbildungsinitiative für Mädchen, ein gemeinsames Projekt, das vom britischen Ministerium für Internationale Entwicklung finanziert wird. Im Rahmen dieses Projekts macht Handicap International Kinder ausfindig, die aufgrund ihrer Behinderung nicht zur Schule gehen können. Ein Netz von freiwilligen HelferInnen macht ebenfalls Kinder mit Behinderungen ausfindig und hilft deren Eltern zu verstehen, warum ihre Kinder zur Schule gehen müssen. Diese ehrenamtlichen MitarbeiterInnen agieren als VermittlerInnen gegenüber den lokalen Schulen und sorgen dafür, dass die Schulen in die Lage versetzt werden, diese Kinder in ihre Klasse zu integrieren.

Helfen Sie mit Ihrer Spende, dass auch Kinder mit Behinderung zur Schule gehen können.

4 August 2015
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Handicap International stellt sich klar und unmissverständlich hinter Black Lives Matter Inklusion Politische Kampagnenarbeit Rechte

Handicap International stellt sich klar und unmissverständlich hinter Black Lives Matter

Die Grundpfeiler unserer Arbeit sind Menschlichkeit und Inklusion. Handicap International wurde vor fast 40 Jahren gegründet aus der Empörung über die Ungerechtigkeit, der Menschen mit Behinderung weltweit ausgesetzt sind. Seither setzt sich Handicap International für eine Welt ein, in der jeder Mensch in Sicherheit und Würde leben kann, in der Gleichberechtigung und Inklusion selbstverständlich sind und in der alle Menschen durch die Vielfalt bereichert werden.

Weltbildungsbericht: Kinder mit Behinderung nicht vergessen
© Neil Thomas / HI
Inklusion Rechte Rechte von Menschen mit Behinderung

Weltbildungsbericht: Kinder mit Behinderung nicht vergessen

Die UNESCO hat am 23. Juni den Weltbildungsbericht veröffentlicht. Er dokumentiert den Fortschritt der Bildung in der ganzen Welt. Der diesjährige Schwerpunkt des Berichts ist die Forderung nach Inklusion aller Kinder in Bildungsmaßnahmen. Dank unserer langjährigen Erfahrung im Bereich inklusive Bildung in 27 Projektländern haben wir maßgeblich zum diesjährigen Dokument beigetragen und unterstützen die Forderung, dass insbesondere Kinder mit Behinderung nicht vergessen werden dürfen.

Geflüchtete mit Behinderung haben es besonders schwer
© Dieter Telemans / HI
Inklusion Nothilfe Rechte von Menschen mit Behinderung

Geflüchtete mit Behinderung haben es besonders schwer

Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni fordert die humanitäre Hilfsorganisation Handicap International (HI), dass Geflüchtete mit Behinderung eine echte Chance haben müssen, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Von 79,5 Millionen Flüchtlingen weltweit haben etwa 15 % eine Behinderung. Sie kämpfen oftmals mit Isolation, Diskriminierung und Ausgrenzung. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen verschärfen die Lebensbedingungen, wie der HI-Bericht „Das Coronavirus im humanitären Kontext: Leave no one behind!” dokumentiert. Menschen mit Behinderung brauchen mehr Unterstützung, so wie beispielsweise Lina, die seit drei Jahren im Flüchtlingslager in Juba (Südsudan) lebt. Mit ihrem Rollstuhl kommt sie kaum durch die engen Gassen. HI verhandelt derzeit mit den Behörden, damit Lina mit ihrer Familie umziehen darf, wo sie sich leichter und sicherer bewegen kann.