Co-Preisträger Friedensnobelpreis

„Das muss man allein mit fünf Kindern erstmal stemmen!“

Inklusion Nothilfe
Ruanda

Weltfrauentag: Die Geschichte einer starken Frau aus dem Mahama Flüchtlingscamp in Ruanda
Unser HI-Botschafter und „Model mit Prothese“ besuchte Ende Februar das Mahama Camp für burundische Geflüchtete in Ruanda. Mario traf viele Menschen, hörte viele Geschichten, bewegende Schicksale. Eine davon ist die der 42-jährigen Jane*. Allein mit ihren fünf Kindern floh sie 2015 von Burundi nach Ruanda.

Blick auf das Mahama Camp für burundische Geflüchtete in Ruanda

Blick auf das Mahama Camp für burundische Geflüchtete in Ruanda | © Neil Thomas/HI

Jane floh allein mit ihren fünf Kindern

Schüchtern nimmt Jane neben Mario auf der Bank vor ihrer Lehmunterkunft Platz. Auf engstem Raum lebt sie hier mit ihren fünf Kindern. Eine Behausung steht neben der anderen, die Nachbarn, darunter unzählige Kinder, versammeln sich um die Szene – der Besuch aus Deutschland erregt viel Aufmerksamkeit. Seit Beginn der Krise in Burundi im April 2015 kommen stetig neue Geflüchtete nach Ruanda, aktuell etwa 100 im Monat. Als der Flüchtlingsstrom einsetzte, versuchte Jane mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Ruanda zu kommen. Zwei Tage lang war sie mit ihren fünf Kindern unterwegs. Einen Mann gibt es nicht, die Kinder hat sie ganz allein großgezogen und aus ihrer krisengeschüttelten Heimat nach Ruanda gebracht.

Jane* mit Mario Galla vor ihrer Unterkunft. | © Neil Thomas/HI

Von HI bekam sie eine neue Fuß-Schiene

Durch eine undiagnostizierte Krankheit im Kindesalter ist ihr Fuß deformiert und sie hat große Schwierigkeiten beim Laufen. Ihr Fuß steckt in einem speziellen Schuh und wird von einer Schiene gestützt. Mithilfe eines Gehstocks bewegt sie sich mühsam fort. „Das Leben im Camp ist schwierig vor allem mit einer Behinderung. Außerhalb des Camps bekäme ich niemals eine Arbeit“, flüstert sie. Eigentlich ist sie Näherin, aber in ihrer aktuellen Lage kann sie diesem Beruf nicht mehr nachgehen. Schüchtern erzählt sie Mario ihre Geschichte. Mario lauscht und lässt auch sie mit gedämpfter Stimme an seinem Leben teilhaben, fragt sie nach ihrem Schicksal. Was Jane alles durchgemacht hat und wie sie ihre Situation meistert, beeindruckt ihn sehr:

„Die Situation muss man als Frau allein mit fünf Kindern erstmal stemmen. Sie ist wirklich taff und doch so bescheiden und ruhig. Das imponiert mir.“ 

Das tägliche Leben im Camp ist nicht einfach, selbst Wasser oder Feuerholz holen, wird zum Problem. Das Camp Mahama für burundische Geflüchtete liegt etwa 3 1/2 Autostunden von der ruandischen Hauptstadt Kigali entfernt, nicht weit der Grenzen zu Burundi und Tansania. Fast 60.000 Menschen finden hier Platz, über die Hälfte davon sind Kinder. Von Handicap International wurde Jane ein Jahr nach ihrer Ankunft im Camp nach Kigali geschickt, wo man ihr eine neue Schiene für ihren Fuß anfertigte. Damit kann sie jetzt besser laufen. Auch ihre beiden ältesten Kinder können ihr mittlerweile unter die Arme greifen. Der Besuch von Mario im Camp hat sie sehr überrascht.

„Das ist das erste Mal, dass jemand wie er mich besucht und sich mit mir unterhält“, gesteht sie schüchtern.

Foto: Jane* mit ihren fünf Kindern

*Name geändert

                                                                                                                                                                                       

                                                                                                                                                                                                               

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 

                                                                                                                                                                                                             

8 März 2019
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Mädchen mit Behinderung werden doppelt diskriminiert
© Pascale Jérôme Kantoussan/HI
Inklusion Rechte von Menschen mit Behinderung

Mädchen mit Behinderung werden doppelt diskriminiert

Mädchen mit Behinderung dürfen oftmals nicht in die Schule gehen. Anlässlich des Internationalen Tages der Bildung am 24. Januar ruft die gemeinnützige Organisation Handicap International (HI) dazu auf, diese Ungerechtigkeit und Benachteiligung zu bekämpfen. Eine Untersuchung, die HI in Ländern der Sahelzone durchgeführt hat, zeigt, dass Mädchen mit Behinderung in vielen Familien als „Strafe“ oder „Tragödie“ angesehen werden. Nur wenige dürfen die Schule besuchen. Ein Mädchen zu sein und eine Behinderung zu haben, stellt eine doppelte Diskriminierung dar. So unterstützt Handicap International in Burkina Faso, Mali und Niger diese Kinder, schult Lehrer, klärt auf, spricht mit den Eltern und stärkt lokale Behindertenorganisationen. 

Interview mit Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller
© Janine Schmitz/photothek.net
Inklusion Rechte von Menschen mit Behinderung

Interview mit Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller

Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), stuft die derzeitige Lage in vielen Entwicklungsländern als dramatisch ein. Im Interview mit HI warnt Müller davor, dass an den Folgen der Corona-Pandemie in Afrika mehr Menschen sterben werden als am Virus selbst. 

„Dank meiner Prothese kann ich alles machen, was ich will!"
Jaweed Tanveer / HI
Inklusion Rehabilitation und Orthopädie

„Dank meiner Prothese kann ich alles machen, was ich will!"

Als Ali in der Nähe seines Dorfes seine Ziegen weiden ließ, trat er auf einen Sprengsatz. Sein Bein wurde bei der Explosion schwer verletzt. Es musste unterhalb des Knies amputiert werden. Schon zwei Monate später bekam Ali eine Prothese von HI und lernte wieder zu laufen. Nun kann er endlich wieder so leben wie vor seinem Unfall.