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Wie ein Spezialstuhl bei infantiler Zerebralparese hilft

Inklusion Rechte von Menschen mit Behinderung
Haiti

Handicap International hilft Kindern mit infantiler Zerebralparese in Port-au-Prince, der Hauptstadt Haitis. Wir geben ihnen unter anderem spezielle Stühle, die sie bei ihrer geistigen Entwicklung und in ihrer Beweglichkeit unterstützen.

Rehabilitationstechniker Franz besucht die kleine Patientin Mella in Port-au-Prince. Er kniet neben ihr und spielt mit Mella.

Rehabilitationstechniker Franz besucht die kleine Patientin Mella in Port-au-Prince. | © T. Campagne / Handicap International

Mella ist 18 Monate alt und ein sehr dynamisches kleines Mädchen. Sie lebt in einer kleinen Wohnung in Port-au-Prince mit ihrer alleinerziehenden Mutter. Die beiden lieben sich sehr. Mella kam mit infantiler Zerebralparese auf die Welt und benötigt sehr viel Betreuung. Ihre Mutter verbringt deshalb den größten Teil ihrer Zeit bei ihrer Tochter und hilft ihr im Alltag.

Im Juni 2014, nach mehreren kostspieligen Untersuchungen, die helfen sollten, eine Lösung für die Behinderung ihrer Tochter zu finden, kam Mellas Mama ins Zentrum „Healing Hands for Haiti“, einer Partnereinrichtung von Handicap International. Mella und ihre Mutter wurden von der Kinderphysiotherapeutin Marie empfangen und von Franz, der die Vorbereitung der angepassten Stühle betreut. Bei diesem Treffen ging es zunächst darum, die Situation von Mella zu beurteilen und zu verstehen, wie ihr Alltag aussieht. Marie nahm sich viel Zeit, um der Mutter zuzuhören. „Ich arbeite nicht. Ich muss mich ja die ganze Zeit um meine Tochter kümmern, sie kann nicht allein bleiben“, erklärt diese. „Ich versuche sie zu stimulieren, ihr Spiele vorzuschlagen, aber sie ist nicht interessiert. Es gelingt ihr nicht, sich auf Sachen zu konzentrieren.“ Marie erklärte der Mutter daraufhin die Folgen der Behinderung ihrer Tochter und zeigte ihr einfache Handgriffe, mit der sie ihrer Tochter helfen kann, sich zu bewegen.

Das Team von Handicap International beschloss Mella einen speziellen Stuhl zu geben, damit sie nicht mehr nur auf dem Boden liegen muss, sondern sitzen kann. Denn Sitzen fördert die Wahrnehmung der Welt und treibt so die geistige Entwicklung des Kindes voran.

Im Anschluss an diese Sitzung weurden daher Mellas Maße genommen, der erste Schritt zur Konstruktion eines für sie angepassten Spezialsitzes. „ Es geht hier nicht um einen Rollstuhl“, erklärt Franz. “Der Stuhl soll der Kleinen hingegen helfen, sich in einer sitzenden Position zu halten. Das ist sehr wichtig, denn so kann Mella sich umschauen, verstehen was um sie herumgeschieht und sich so Schritt für Schritt weiter entwickeln.“

In den Tagen nach der Sprechstunde wählte Franz einen Spezialstuhl aus den Beständen von Handicap International aus und nahm die notwendigen Anpassungen vor, damit dieser optimal zu Mella und ihren Bedürfnissen passte.

Zwei Wochen nach dem ersten Besuch, kehrten Mella und ihre Mutter ins Zentrum zurück, um den Spezialstuhl abzuholen. Marie und Franz halfen bei den ersten Versuchen, d mit dem Stuhl vertraut zu machen. Für Mellas Mutter ist es eine große Erleichterung endlich Hilfsmittel zu haben, die genau auf ihre Tochter abgestimmt sind. Die beiden konnten daraufhin die Einrichtung mit dem Stuhl im Gepäck verlassen, um ihn zuhause in Mellas Alltagsleben zu integrieren. Damit das kleine Mädchen und seine Mutter nicht auf sich alleine gestellt sind, wird Mella nun ußerdem von einer Partnerorganisation von Handicap International weiterbetreut – „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“. Hier wird das kleine Mädchen mit Rehabilitationsmaßnahmen stimuliert und ihre Muskeln mobilisiert, damit sie sich leichter bewegen kann.

Die Aufgabe von Handicap International ist damit aber noch nicht zu Ende. Zwei Wochen nach der Übergabe des Spezialstuhls besuchten Marie und Franz das Mädchen, um zu schauen, wie Mella mit dem Stuhl zurechtkam. „Es ist unverzichtbar, dass wir die Familien zuhause besuchen“, erklärt Marie. „So lernen wir das Umfeld kennen, in dem sie leben und können ihnen dann helfen Lösungen zu finden, die die Situation der Betroffenen bestmöglich verbessern. Indem wir zwei Wochen nach der Ausgabe der Hilfsmittel vorbeikommen, können wir auch feststellen, wie der Stuhl benutzt wird. Wir wiederholen diese Besuche in regelmäßigen Abständen, um die Mutter von Mella zu unterstützen.“

9 Januar 2015
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