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Irak: “Die bedürftigsten Menschen benötigen Zugang zu medizinischer Versorgung”

Minen und andere Waffen Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Irak

Benedetta Di Cintio und Camille Borie von Handicap International im Irak erklären, wie wichtig es ist, dass die schutzbedürftigsten Menschen nicht von humanitärer Hilfe ausgeschlossen werden.

Handicap International engagierte sich bereits im irakischen Kurdistan durch die Unterstützung von syrischen Flüchtlingen. Nach einem starken Zulauf von Menschen aus dem Irak, die vor  Kämpfen im Norden und Westen des Landes geflohen waren, wurde nun eine neue Operation gestartet. Die große Menge an Vertriebenen und Flüchtlingen hat einen großen Einfluss auf das Leben und die Gesellschaft im irakischen Kurdistan.

Seit Anfang des Jahres wurden 1,3 Millionen Irakerinnen und Iraker von den Kämpfen im Norden und Westen des Landes vertrieben, über 400 000 sind nach Kurdistan geflohen. „Dies ist im Moment eine der wenigen relativ stabilen Gegenden in dieser Region”, erzählt Benedetta Di Cintio, Leiterin des Projekts von Handicap International im Irak. Schon bevor sich die Situation im Irak verschlechtert hat, hatten bereits über 200 000 SyrerInnen  in Kurdistan Zuflucht gesucht.

Anfang des Jahres konnten die Ankommenden noch leerstehende Grundstücke mieten oder wurden mit Verwandten oder kurdischen Familien in Räumen untergebracht. Andere fanden Zuflucht in Camps. Allerdings waren die Gemeinden bereits seit diesem Sommer nicht mehr in der Lage, die hunderttausende Menschen, die weiter in dieses Gebiet fliehen, angemessen unterzubringen. „Die Kämpfe haben Anfang August zugenommen”, erzählt Benedetta Di Cintio weiter. „Es sind beispielsweise um die 15.000 Menschen in der Stadt Erbil angekommen – an nur einem Tag. Vertriebene haben Zuflucht gesucht, wo sie konnten, an jeder Straßenecke, in Moscheen, Kirchen und auf Baustellen. Sie befanden sich rund um unsere Zentrale. Es ist eine extrem komplizierte Situation für alle Beteiligten, einschließlich der kurdischen Bevölkerung, die sich eigentlich nicht in diesen Konflikt einmischen wollte. Die Situation betrifft alle Bereiche des alltäglichen Lebens: der Schulanfang wird vermutlich verschoben, weil alle Schulen als Zufluchtsort für Bedürftige benötigt werden. Es werden derzeit zahlreiche Camps errichtet, um die Situation zu verbessern, aber momentan müssen die Leute so gut es geht damit umgehen.“

Die Probleme der besonders schutzbedürftigen Menschen im Zugang zu Versorgung

Gute medizinische Versorgung steht kostenlos in den Gouvernements von Dohuk und Erbil zur Verfügung, wo das Team von Handicap International zur Zeit arbeitet. Unglücklicherweise haben die Flüchtlinge – vor allem die besonders schutzbedürftigen – selten die Möglichkeit, Zugang zu ärztlicher Versorgung zu erhalten. Camille Borie, die das Projekt zur Unterstützung der Flüchtlinge leitet, erklärt, wie sich die Situation verschlechtert hat seit dem jüngsten Aufflammen der Kämpfe im August mit direkter Beteiligung von kurdischen Kämpfern und mit amerikanischen Luftangriffen gegen die bewaffneten oppositionellen Gruppen.            

„Die Menschen, die in den letzten Wochen angekommen sind, sind mit quasi leeren Händen geflohen. Wenn sie uns erreichen, finden sie sich nur sehr schwer in ihrer neuen Umgebung zurecht. Sehr oft ist es sehr schwierig, die von uns versorgten Menschen wiederzufinden, nachdem sie weiterziehen mussten, als die Kämpfe näher kamen. In derartigen Situationen ist es beispielsweise manchmal für Diabetiker unmöglich, an Insulin zu kommen, was fatale und unwiderrufliche Folgen für ihre Gesundheit hat. Deshalb versuchen wir eine Brücke zwischen den besonders schutzbedürftigen Menschen, zum Teil Menschen mit Behinderung und Menschen mit chronischen Krankheiten, und den erreichbaren medizinischen Versorgungszentren zu bauen.“

„Alle Flüchtlinge befinden sich in derselben schwierigen Situation“, erklärt Camille Borie. „Wir sprechen Menschen an, die wie alle anderen schutzbedürftig sind, einen Zugang zu Wasser und Essen brauchen, aber die zusätzlich zu all dem mit weiteren Problemen umgehen müssen, häufig weil sie eine körperliche Einschränkung oder chronische Krankheit haben und sie von ihrer Familie oder jemand anderem, der sich um sie gekümmert hat, getrennt wurden. Wir möchten sicherstellen, dass ihre Situation nicht noch schlimmer wird, als sie ohnehin schon ist, weil sie weder an medizinische Versorgung, Hilfe oder technische Hilfsmittel (Rollstühle, Gehhilfen, Versorgung oder Hygienemittel etc.) gelangen. Manche Menschen, denen wir helfen, brauchen Rehabilitationssitzungen, Bluttransfusionen, Chemotherapie, Insulin und haben plötzlich keinen Zugriff mehr auf solche Möglichkeiten. Sie müssen schnellstmöglich wieder Zugang zur Versorgung erhalten.“

17 September 2014
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