Gehe zum Hauptinhalt

Jemen: Angriffe auf die Zivilbevölkerung müssen sofort gestoppt werden

Politische Kampagnenarbeit
Afghanistan Irak Syrien

Nach gescheiterten Friedensverhandlungen im August, sieht sich der Jemen einer erneuten Eskalation des Konflikts gegenüber. Im Zentrum der Gewalt steht dabei die Zivilbevölkerung.

Zu sehen ist ein Junge mit amputiertem Unterbein. Sein Väter hält ihn fest auf seinem Schoß. Beide blicken traurig in die Kamera.

Mehr als ein Drittel der Streubombenopfer weltweit sind Kinder. (Archivbild Afghanistan) | © Jaweed Tanveer / Handicap International

Die vergangene Woche forderte eine besonders hohe Zahl an zivilen Opfern. Bei einem Angriff auf eine Schule in der Provinz Sadaa wurden 10 Kinder getötet und 28 verletzt. Zwei Tage später wurde ein durch Ärzte ohne Grenzen unterstütztes Krankenhaus zum Ziel von Luftschlägen der von Saudi-Arabien geführten Koalition. Dabei starben 11 Menschen und es blieben Dutzende Verletzte zurück.

In einer gemeinsamen Presseerklärung mit den Hilfsorganisationen Care, Oxfam, Save the Children, Mercy Corps und Intersos, verurteilt Handicap International die Bombenangriffe aufs Schärfste und fordert alle beteiligten Parteien dazu auf, die damit verbundenen ständigen Völkerrechtsverletzungen zu beenden. Außerdem soll eine unabhängige Untersuchung der Angriffshandlungen erwirkt werden.

„Angriffe auf zivile Einrichtungen wie Schulen oder  Krankenhäuser haben verheerende Konsequenzen für die Zivilbevölkerung.  Sie sind inakzeptabel und verwerflich. Handicap International fordert die vollständige Aufklärung der Umstände dieser Angriffe und appelliert an alle Konfliktparteien, die Bombardierung der Zivilbevölkerung sofort einzustellen.“

- Anne Héry, Politische Direktorin der Föderation Handicap International

Nach Schätzung der Vereinten Nationen wurden zwischen April und August 2016 272 Menschen im Jemen getötet und 543 verletzt. Aufgrund der täglichen Angriffe mussten seit Beginn des Konflikts mehr als 2,8 Millionen Menschen ihre Heimat  verlassen. 2015 fielen 60 Prozent der im Jemen bei Kampfhandlungen getöteten und verletzten Kinder Luftangriffen zum Opfer.

Explosivwaffen werden besonders häufig in den besiedelten Gebieten Jemens eingesetzt und fordern auch in anderen Konflikten wie in Syrien, der Ukraine oder Afghanistan täglich hohe zivile Verluste. Die Bomben sind tödlich und verursachen schwerste Verletzungen wie Verbrennungen, offene Wunden und Brüche. Diese Verletzungen können zu lebenslangen Behinderungen und psychologischen Traumata führen. Die Angriffe zerstören außerdem Unterkünfte und wichtige zivile Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser und zwingen die Menschen vor Ort zu Tausenden zur Flucht.

Ein weiteres Problem stellen die langfristigen Folgen für die Menschen vor Ort dar, denn die Reste der Explosivwaffen bleiben auch lange Zeit nach dem eigentlichen Konflikt in den betroffenen Gebieten liegen und sind dadurch eine permanente Gefahr für die lokale Bevölkerung. Die Rückkehr in ihre Heimat ist dadurch oftmals nur unter höchster Lebensgefahr möglich.

Die internationale Gemeinschaft muss den Angriffen auf die Zivilbevölkerung endlich ein Ende setzen.

Damit solche Szenen in Zukunft der Vergangenheit angehören:

Jetzt Petition "Keine Bomben auf Wohngebiete" unterzeichnen

16 August 2016
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Überlebensgroße Opfer-Porträts auf Berliner Gendarmenmarkt mahnen zu Kampf gegen Bomben auf Zivilbevölkerung
© Marlene Gawrisch
Minen, Streubomben und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit Politische Kampagnenarbeit

Überlebensgroße Opfer-Porträts auf Berliner Gendarmenmarkt mahnen zu Kampf gegen Bomben auf Zivilbevölkerung

Die Porträt-Kunst-Aktion „90 Schicksalsschläge“ hat am Freitag, 5. Oktober in Berlin auf die Opfer der Bombardierungen von Wohngebieten aufmerksam gemacht. Die eindrücklichen Gesichter luden zum Betrachten ein, berührten die Passanten und gaben ein starkes Statement gegen die Bombardierung von Wohngebieten ab. Der Platz in der historischen Mitte Berlins verwandelte sich in eine Porträtgalerie von rund 110 Quadratmetern.

Aufruf an tausende Parlamentarier gegen Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten
© B. Almeras / Handicap International
Minen, Streubomben und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit Politische Kampagnenarbeit

Aufruf an tausende Parlamentarier gegen Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten

Humanity & Inclusion (die Dachorganisation, zu der Handicap International Deutschland gehört) startet eine internationale parlamentarische Initiative. Die acht nationalen Vereine von HI haben in den letzten Tagen einen gemeinsamen Brief an insgesamt 4.500 Parlamentsabgeordnete ihrer Länder geschickt. Darin fordern sie die Abgeordneten auf, sich gegen den Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten (EWIPA=explosive weapons in populated areas) einzusetzen. 92 Prozent der Opfer bei derartigen Einsätzen sind Zivilist/-innen. Die Aktion findet in Belgien, Deutschland, Frankreich, Kanada, Luxemburg, UK, USA und der Schweiz statt.

Veränderungen in der militärischen Kriegspraxis
© HI
Politische Kampagnenarbeit

Veränderungen in der militärischen Kriegspraxis

HI nimmt heute in Genf an Gesprächen[1] teil, in denen es um Einsätze von Explosivwaffen in bewohnten Gebieten geht. Einer der Schwerpunkte der Gespräche ist, mit welchen Maßnahmen Streitkräfte die humanitären Auswirkungen solcher Einsätze minimieren können. Mit der internationalen Kampagne „Stop Bombing Civilians“ verfolgt HI das Ziel, dem Einsatz von explosiven Waffen in Wohngebieten ein Ende zu setzen. Gemeinsam mit dem internationalen Netzwerk INEW[2] verweist HI deshalb auch bei der heutigen Diskussion besonders auf die humanitären Folgen von Kriegen und präsentiert auf dem Podium über die Notwendigkeit von Opferhilfe für die betroffenen Menschen.