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Krise in Kasaï: Handicap International entsendet Nothilfeteam

Nothilfe
Demokratische Republik Kongo

Seit Juni 2016 leidet die Provinz Kasaï in der Demokratischen Republik Kongo unter einer humanitären Krise. Mehr als zwei Millionen Menschen sind bisher betroffen. Handicap International ist seit 2015 in der Provinz aktiv und entsendet jetzt Nothilfeexperten, die bestehende Teams unterstützen. Guillaume Zerr, Direktor von Handicap International Kongo, zur Lage in Kasaï:

Bérénice sitzt im Rollstuhl. Handicap International hilft ihr, sich beruflich zu integrieren.

Der jungen Bérénice wird im Rahmen des TEAM-Projekts bei der beruflichen Integration geholfen. | © R.ColfsHandicap International

Wie würden Sie die Situation in Kasaï beschreiben?
Alarmierend. Die Situation wird täglich schlechter. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen haben über eine Million Menschen vertrieben. Hunderte wurden getötet und Tausende verletzt. Obwohl die Region vorher relativ stabil war, ist eine neue humanitäre Krise entstanden. Auch wenn die humanitären Organisationen jetzt nach und nach dort ankommen, gibt es nicht genügend finanzielle Mittel, um die Betroffenen angemessen zu versorgen. Das ist sehr beunruhigend.

Welche Wirkung hat die Krise auf die Bevölkerung vor Ort?
Für die Schutzbedürftigsten ist das Risiko am höchsten, Opfer von Gewalt zu werden: für Frauen, von denen viele der Gefahr sexueller Gewalt ausgesetzt sind und für tausende Kinder, die von den Milizen zwangsrekrutiert werden. Außerdem ist es nicht leicht, an Medikamente zu kommen und viele medizinische Fachkräfte mussten fliehen. Die Verletzten haben deshalb nur eingeschränkten Zugang zu medizinischer und rehabilitativer Versorgung.

Es besteht die große Gefahr, dass die Bevölkerung an Unterernährung leidet, weil die Menschen in den letzten beiden Erntephasen ihr Land nicht bewirtschaften konnten. Außerdem wird es zunehmend schwieriger, an Wasser zu kommen - was auch vorher schon kompliziert war. Die Menschen trauen sich nicht mehr zu den Wasserquellen, die außerhalb der Dörfer liegen, weil es dort zu gefährlich ist. Humanitäre Hilfsgüter in abgelegene Gebiete zu transportieren, ist kompliziert, denn die Straßen sind nicht geteert und nur schwer befahrbar - diese Gegenden sind schwer zu erreichen.

Warum beginnt Handicap International mit einem Nothilfeeinsatz?
Die Region war bisher stabil, darum sind humanitäre Organisationen dort nur wenig vertreten. Wir sind schon seit 2015  vor Ort und haben mittlerweile eine starke Bindung zu den Menschen aufgebaut. Eine unserer Prioritäten ist es nun, uns um die Opfer der Krise und um ihre Bedürfnisse zu kümmern. Deshalb haben wir beschlossen, Nothilfeexperten zu entsenden, die unseren Einsatz koordinieren werden.

Wir stellen gerade Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ein, damit wir in den Krankenhäusern Kananga und Tshikaji Rehabilitation für etwa 200 verletzte Menschen anbieten können. Außerdem schicken wir Leute mit Ausrüstung los, sie bringen zum Beispiel Untersuchungstische, Gewichte, Gehhilfen und Rollstühle. Wir wollen die Betroffenen auch psychologisch unterstützen und ihnen dabei helfen, traumatische Erlebnisse zu überwinden. Dafür bieten wir Einzelbetreuung, Einzelgespräche und Gesprächsgruppen an.

 

Hintergrund des Konflikts


Im August 2016 brach im Territorium Dibaya in der Provinz Kasaï-Central ein lokaler Konflikt zwischen dem Stammeshäuptling Kamuina Nsapu und der Landesregierung aus, nachdem diese sich in einer gemeinsamen Ministerbeschluss geweigert hatte, seine Position anzuerkennen. Die Streitkräfte der DRK haben als Reaktion einen tödlichen Angriff gegen Kamuina Nsapu durchgeführt. Als Folge des Konflikts übt die Lokalbevölkerung immer mehr Druck auf die Regierung aus, da sie größere Unabhängigkeit bei der Ausübung ihrer Stammesautorität fordern. Milizen, die sich im Namen der Stämme formiert haben, greifen jetzt regelmäßig Staatssymbole in den drei Provinzen Kasaï, Kasaï -Central und Kasaï –Oriental an. Hunderte Menschen wurden schon im Zuge dieses Konflikts getötet, Tausende verletzt und mehr als eine Millionen Menschen wurden vertrieben. Über zwei Millionen Menschen insgesamt sind von dieser alarmierenden Situation betroffen und benötigen humanitäre Unterstützung in den nächsten sechs Monaten.

Handicap International in der DRK und in Kasaï
Handicap International ist seit 1995 in der Demokratischen Republik Kongo aktiv. Das erste Projekt wurde in Mbuji Mayi in der Provinz Kasaï -Oriental als Reaktion auf eine Polio-Epidemie eingeführt. Handicap International eröffnete im Verlauf des Projekts ein Rehabilitationszentrum mit einer Werkstatt zu Herstellung von Orthesen und Prothesen. 1998 wurden Rehabilitationsprojekte auch in Kinshasa eingeführt.

Handicap International unterstützt seit 2015 in der Provinz Kasaï-Central und organisiert dort Rehabilitationsmaßnahmen und Aktivitäten zu inklusiven Arbeitsplätzen für Menschen mit körperlichen Behinderungen. Diese Arbeitwird von USAID im Rahmen des „TEAM“-Projekts gefördert.

 


Handicap International plant noch weitere Nothilfeaktivitäten

Schutzmaßnahmen
Handicap International ist seit über 20 Jahren in der Demokratischen Republik Kongo tätig. Derzeit erörtern wir die Lage für die Opfer von Gewalt, mit dem Ziel, sie besser zu schützen – auch durch psychologische Unterstützung. Weiterhin schulen wir andere Organisationen darin, besonders schutzbedürftige Menschen ausfindig zu machen, damit sie deren Zugang zu humanitären Leistungen sicherstellen (Gesundheitsversorgung, Lebensmittel etc.) und sie besser bei allen Maßnahmen berücksichtigen.

Logistikplattform
Handicap International will den Transport humanitärer Hilfsgüter zu den Menschen in abgelegenen, schwer zugänglichen und gefährlichen Gebietenerleichtern. Dazu richten wir Lagerzentren ein und bieten anderen humanitären Organisationen unsere Transportdienste (besonders durch Lastwagen) an.

Verteilungen von Nahrungsmitteln und wichtigen Haushaltsartikeln
Handicap International plant, große Mengen an Nahrungsmitteln und wesentlichen Haushaltsartikeln wie etwa Kochutensilien und Hygienesets mit Seife etc. an tausende betroffene Familien zu verteilen.

 

31 Mai 2017
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