Gehe zum Hauptinhalt

Mossul: 200.000 Menschen von den Kämpfen eingeschlossen

Minen und andere Waffen Nothilfe
Irak

Die irakischen Streitkräfte kündigten letzte Woche die finale Phase ihrer Militäroffensive zur Rückeroberung von Mossul an. Seit Beginn des Militäreinsatzes im Oktober 2016 sind bereits über eine halbe Million Menschen aus der Stadt geflohen. Etwa 200.000 Menschen sind noch immer von den Kämpfen eingeschlossen. Immer wieder riskieren ganze Familien die gefährliche Flucht (Geschichten von Fotojournalist Till Mayer aus dem Irak).

Ein Entminer von Handicap International bei der Arbeit

Entminer von Handicap International haben seit Anfang dieses Jahres mehr als 2.000 explosive Kriegsreste entfernt. | © T. Mayer / Handicap International

Fanny Mraz, Programmleiterin von Handicap International im Irak, hält die Situation in Mossul für höchst alarmierend:

„Wir sind sehr besorgt über die 200.000 Zivilisten, die in der Stadt gefangen sind. Sie befinden sich in einem grausamen Dilemma: zuhause bleiben und den Bombenangriffen ausgesetzt zu sein – oder fliehen und riskieren, auf der Flucht verletzt zu werden.“

Steigende Opferzahlen

Da die Kämpfe intensiver werden, ist die Anzahl der Verletzten aus Mossul in den letzten Monaten stark angestiegen. Seit Beginn der Offensive mussten mehr als 12.500 Menschen in den regionalen Krankenhäusern notversorgt werden.

„Die Teams von Handicap International vor Ort erleben das Leid der Menschen aus nächster Nähe. Die in Mossul verwendeten explosiven Waffen töten viele Menschen und verursachen schwere Verletzungen sowie ernstzunehmende psychische Traumata. Seit wir unseren Nothilfeeinsatz begonnen haben, unterstützen wir die betroffene Zivilbevölkerung in den Krankenhäusern und in den Flüchtlingslagern unter anderem mit der dringend notwendigen Rehabilitation“, erklärt Fanny Mraz.

 

Zivilisten unter allen Umständen schützen

In Anbetracht der militärischen Entwicklungen in Mossul ruft Handicap International dazu auf, die Zivilbevölkerung unter allen Umständen zu schützen. Dazu zählt auch, die Verwendung von explosiven Waffen in dicht bevölkerten Gegenden umgehend einzustellen. Die humanitäre Nothilfe darf nicht durch den Militäreinsatz behindert werden.

„Für uns hat es höchste Priorität, auch Menschen mit Behinderung und besonders Schutzbedürftigen Zugang zu humanitärer Hilfe zu ermöglichen“, fügt Fanny Mraz hinzu.

 

Risikoaufklärung und Prävention

Unsere Teams tragen dazu bei, dass Unfälle mit den zahlreichen Blindgängern oder Minen verhindert werden, indem sie die Menschen darüber aufklären, wie sie Risiken erkennen und vermeiden können.

„Die Bevölkerung ist einer ständigen Gefahr ausgesetzt. Alle sollten wissen, wie sie sich bei explosiven Kriegsresten zu verhalten haben. Seit dem Beginn unserer Nothilfe haben wir schon über 250.000 Menschen darüber aufgeklärt“, so Fanny Mraz.

 

Video zu unserem Einsatz im Irak:

 

 

Handicap International und die Krise im Irak

Über 200.000 Menschen haben seit Beginn des Nothilfeeinsatzes von Handicap International im Jahr 2014 von den Hilfsmaßnahmen profitiert. Da die Lage im gesamten Land sehr instabil ist und sich ständig verändert, überprüfen wir unsere Maßnahmen regelmäßig. Derzeit führt Handicap International folgende Aktivitäten zum Schutz der Bevölkerung durch: Sensibilisierung für die Risiken durch Landminen und konventionelle Waffen, Kampfmittelräumung in potenziell gefährlichen Gebieten, Rehabilitationsmaßnahmen, psychosoziale Unterstützung, Unterstützung von Gesundheitszentren, Ausbildung von Personal und Fürsprache für die Inklusion von Menschen mit Behinderung sowie technische Unterstützung für Partnerorganisationen, um die Inklusion von behinderten Menschen bei Hilfsmaßnahmen zu verbessern.

 

6 Juni 2017
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Syrien: Rückkehr schier unmöglich
© Bahia Z./ HI
Minen und andere Waffen Nothilfe Rechte

Syrien: Rückkehr schier unmöglich

Armut, zusammengebrochenes Gesundheitswesen, Coronavirus und die Verseuchung durch explosive Kriegsreste – die syrische Bevölkerung, die vor dem Krieg geflohen ist, steht vor immer größer werdenden Herausforderungen. Solange die lebenswichtige Versorgung nicht wiederhergestellt ist und Minen geräumt sind, können sie nicht nach Hause zurückkehren und ein menschenwürdiges Leben führen.

Geflüchtete mit Behinderung haben es besonders schwer
© Dieter Telemans / HI
Inklusion Nothilfe Rechte von Menschen mit Behinderung

Geflüchtete mit Behinderung haben es besonders schwer

Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni fordert die humanitäre Hilfsorganisation Handicap International (HI), dass Geflüchtete mit Behinderung eine echte Chance haben müssen, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Von 79,5 Millionen Flüchtlingen weltweit haben etwa 15 % eine Behinderung. Sie kämpfen oftmals mit Isolation, Diskriminierung und Ausgrenzung. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen verschärfen die Lebensbedingungen, wie der HI-Bericht „Das Coronavirus im humanitären Kontext: Leave no one behind!” dokumentiert. Menschen mit Behinderung brauchen mehr Unterstützung, so wie beispielsweise Lina, die seit drei Jahren im Flüchtlingslager in Juba (Südsudan) lebt. Mit ihrem Rollstuhl kommt sie kaum durch die engen Gassen. HI verhandelt derzeit mit den Behörden, damit Lina mit ihrer Familie umziehen darf, wo sie sich leichter und sicherer bewegen kann.

Corona in Südasien: Alarmierende Situation
© HI
Nothilfe

Corona in Südasien: Alarmierende Situation

Handicap International (HI) ist in Bangladesch, Indien und Pakistan im Einsatz, wo die Ausbreitung des Coronavirus besorgniserregende Ausmaße annimmt. Der Zugang zu medizinischer Versorgung und humanitärer Hilfe ist eingeschränkt. Die Situation für Menschen mit Behinderung und all denjenigen, die besondere Hilfe benötigen, ist schwierig.