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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

„Nicht die Kinder in den Aufnahmegemeinden vergessen“

Inklusion Rehabilitation und Orthopädie
Bangladesh Pakistan Thailand

In Bangladesch und Pakistan werden Flüchtlinge oftmals von den ärmsten Gemeinden aufgenommen. Das hat zur Folge, dass diese Gemeinden direkt von dem riesigen Zustrom an Flüchtlingen und Binnenvertriebenen (IDPs) betroffen sind. Mit dem Projekt „Zusammenwachsen“, das von der IKEA Stiftung finanziert wird, wollen wir den ärmsten Kindern unter den Flüchtlingen und Aufnahmegemeinden die Möglichkeit geben, wieder Kind zu sein. Bei der Umsetzung beziehen wir auch die lokalen Gemeinden mit ein, so dass alle Bevölkerungsgruppen profitieren und sich gegenseitig unterstützen können.

8 Kinder spielen zwischen Wellblechhütten im Schlamm

Flüchtlingslager in Cox’s Bazar, Bangladesch. | © S. Ahmed / Handicap International

In Bangladesch leben ungefähr 30.000 Flüchtlinge in offiziellen Lagern in der Nähe von Cox’s Bazar. In dieser von großer Armut betroffenen Gegend leben sie zusammen mit der Dorfbevölkerung und weiteren 200.000 nicht registrierten Rohingya-Flüchtlingen. „Dies kann schwierige Situationen bedingen und zu Spannungen und Neid führen“, sagt Alexey Kruk, der regionale Koordinator für Handicap International.

„Die offiziellen Bewohnenden des Lagers erhalten eine Grundversorgung mit Wasser, sanitären Anlagen und medizinischer Versorgung. Dies ist für die armen Menschen außerhalb des Lagers frustrierend“, erklärt Alexey. Da die Ressourcen in dieser Gegend knapp sind, bedeutet dies auch, dass sowohl die Flüchtlinge als auch die nicht registrierten Rohingya mit der örtlichen Bevölkerung um landwirtschaftlich nutzbares Land, die Fischgründe und Feuerholz konkurrieren.

„Es gibt ein gewisse Anti-Rohingya Stimmung unter den lokalen Gemeinden, und deshalb ist es besonders wichtig, die Menschen rund um das Lager mit einzubeziehen, wenn man ein Projekt aufbauen möchte“, sagt Alexey. Handicap International hat vor kurzem das Projekt „Zusammenwachsen” gestartet, ein von der IKEA Stiftung finanziertes Projekt, das Flüchtlingskindern, auch denen mit einer Behinderung, die Möglichkeit geben soll, zu spielen. Dieses Projekt ist für mehrere Flüchtlingslager in Bangladesch, Thailand und Pakistan geplant.

4 K8inder spielen fröhlich miteinander auf erdigem Boden.

Auch die Kinder der Aufnahmegemeinden sollen in die Projekte von Handicap International miteinbezogen werden © S. Ahmed / Handicap International.

„Auch in Pakistan werden wir die Gemeinden, die rund um das Lager Jalozai leben, einbeziehen. Das ist eines von vier Flüchtlingslagern in der Region Khyber Pakhtunkhwa, einer Provinz, in der mehr als 125.000 Familien zu Flüchtlingen im eigenen Land geworden sind. Sowohl die Kinder aus der Gegend als auch die Kinder die in den Lagern erleben Spannungen und Gewalt. Sie alle leben in einer katastrophenanfälligen Umgebung mit wenigen Möglichkeiten, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“

Aufnehmende Bevölkerung und Flüchtlingsfamilien kräftigen

Deshalb sind wir immer bemüht, auch die Kinder der Gemeinden, die Flüchtlinge aufnehmen, nicht zu vergessen. Zum Beispiel planen wir, mit Kinderbetreuungskräften zusammenzuarbeiten, die in den Bereichen Rehabilitation, Gesundheit, Ernährung sowie im sozialen und im erzieherischen Bereich tätig sind. Auch kooperieren wir mit gemeindebasierten Organisationen und den Vorsitzenden der Flüchtlingslager. „Wir werden sie darin schulen, Entwicklungsverzögerungen bei kleinen Kindern zu erkennen“, erklärt Alexey Kruk.

„In Pakistan und Bangladesch kommen viele der Kinderbetreuenden aus den Aufnahmegemeinden, dadurch ist abgesichert, dass sowohl die Flüchtlinge als auch die Gemeinden selbst versorgt werden.“

In unserem Projekt werden wir auch mit Kindern arbeiten, die in die Schulen der Gemeinden vor Ort gehen. Wir werden sie über Kinderschutz, Mobbing, Ausbeutung, Katastrophenvorsorge und geschlechtsspezifische Gewalt aufklären. Sie werden bei der Umsetzung von Strategien einbezogen, die dazu dienen, Veränderungen herbeizuführen: dort wo sie leben, lernen und spielen (zu Hause, in der Schule und auf dem Spielplatz). In diesem Sinne werden wir auch Sensibilisierungskampagnen in den Gemeinden durchführen.

„Die erwartete Veränderung ist, dass die Gemeinden befähigt sind, Möglichkeiten für benachteiligte Kinder in den Flüchtlingslagern zu schaffen, sodass sich diese durch Spielen entwickeln können und lernen können. Indem wir ihre körperliche Gesundheit und ihr Wohlbefinden verbessern, ihnen soziale Fähigkeiten, emotionale Reife, kognitive Entwicklung und kommunikative Entwicklung ermöglichen, werden diese Kinder besser auf späteres Lernen vorbereitet sein, und sie werden besser mit ihrem Flüchtlingsdasein zurechtkommen.“

ÜBER DAS PROJEKT „ZUSAMMENWACHSEN“

Das Projekt „Zusammenwachsen“ startete 2016, es wird 4 Jahre andauern und soll 13.000 benachteiligte Jungen und Mädchen (0-18 Jahre alt) und ihre Familien in  Bangladesch, Pakistan und Thailand unterstützen.

Neben dem Bau von inklusiven, pädagogischen Spielplätzen wird das Projekt sich auch besonders auf Kleinkinder konzentrieren, bei denen das Risiko von Entwicklungsverzögerungen besteht. Dank Früherkennung und Rehabilitation kann einigen Behinderungen vorgebeugt werden, und das Leben von Kindern mit langfristigen Behinderungen kann erfüllender gestaltet werden. In einer sicheren Umgebung können Eltern und Pflegende lernen, wie sie die Entwicklung ihres Kindes unterstützen können, damit es unabhängiger werden kann.

Außerdem wird das Projekt die örtlichen Anbieter von Entwicklungsmaßnahmen für Kinder motivieren, besser auf die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderung oder besonders schutzbedürftigen Kindern einzugehen. Es wird Organisationen helfen, Maßnahmen zu ergreifen, die die Inklusion der Kinder in Schulen und Gemeinden verbessern. Die Zusammenarbeit mit den Organisationen vor Ort wird dabei helfen, die Nachhaltigkeit dieses Projektes abzusichern.

FINANZIERT VON DER IKEA STIFTUNG 

Das Projekt „Zusammenwachsen“ wird von der IKEA Stiftung finanziert (der philanthropischen Arm von INGKA Foundation, dem Besitzer der IKEA Firmengruppe) und unterstützt von IKEAs Kampagne für einen guten Zweck: Let’s Play for Change (Ende 2016). Für jedes Kinderbuch und Spielzeug, das in der Kampagnenphase in einer IKEA-Filiale verkauft wird, spendet die IKEA Stiftung 1€, um das Projekt „Zusammenwachsen“ und die Projekte von fünf anderen Partnerorganisationen zu unterstützen. Mehr Infos unter : www.ikeafoundation.org

20 Januar 2017
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