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Südsudan: “Jeden Tag erreichen neue Familien das Flüchtlingscamp von Juba”

Nothilfe Vorsorge und Gesundheit
Südsudan

Céline Lefebvre, Leiterin von Handicap International im Südsudan, schildert, wie immer mehr zivile Bevölkerungen vor den blutigen Kämpfen der vergangen Wochen auf der Flucht sind. Handicap International ist mit einem Team vor Ort.

„Erst gestern kamen wieder zahlreiche Familien in den Camps von Juba an, einige schleppten ihr Hab und Gut in Schubkarren mit sich. Unter den Flüchtlingen waren auch viele Menschen mit Behinderung, die sich bis hierher durchgeschlagen haben, um den Grausamkeiten des bewaffneten Konflikts zu entfliehen. Die Situation im Camp ist äußerst kritisch, tagsüber sind es über 40 Grad Celsius und die hygienischen Bedingungen sind katastrophal“, erzählt Celine, Einsatzleiterin von Handicap International. Vergangene Woche tobten die Kämpfe hauptsächlich in Bor und besonders brutal in Malakal im Norden des Landes. Die Situation der Vertriebenen gibt nach wie vor Anlass zur Sorge. Mehr als 410.000 Menschen [1] sind innerhalb der Landesgrenzen auf der Flucht, etwa 100.000 allein im Bundesstaat Jonglei. Weitere 75.000 sind über die Grenzen in eines der Nachbarländer geflohen.

„Wir haben einen sogenannten „Disability and vulnerable focal point" eingerichtet, d.h. eine Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung und besonders Schutzbedürftige in einem der Camps von Juba, in dem sich ca. 12.000 Flüchtlinge aufhalten. Hier können wir Menschen mit Behinderung, Verletzte, Schwangere und ältere Menschen auffinden und konkret auf sie zugehen. Für diese Personen, die in ihrer Mobilität häufig stark eingeschränkt sind und nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen, ist ein spezifisches Hilfsangebot besonders wichtig. Nun können wir ihre Bedürfnisse identifizieren und sie gegebenenfalls an andere Stellen verweisen, wo sie Hilfe bekommen, oder wir kümmern uns direkt um sie. Wir erwarten in den nächsten Tagen 250 Pakete mit Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel und Verbandscheren, die wir gemeinsam mit einer Krankenschwester an Verletzte verteilen werden. Mit dieser Grundausstattung können Patientinnen und Patienten, die nur leichte Verletzungen davongetragen haben und deshalb schon wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurden, ihre Wunden selbst weiterversorgen.“

Außerdem wird ein Team von Handicap International unter Anleitung eines Physiotherapeuten Rehabilitationsmaßnahmen durchführen, damit Verletzungen schneller heilen und das Risiko für dauerhafte Behinderungen minimiert wird.

Geplant ist auch, 500 Sets an Frauen auszugeben, die ein Funkgerät, eine Taschenlampe und eine Trillerpfeife enthalten, um sich sicherer zu fühlen und im Notfall Hilfe zu rufen. Diese Maßnahmen sind zwar simpel, aber dennoch effektiv, da Frauen besonders nachts großen Gefahren der persönlichen Sicherheit ausgesetzt sind.

Allen Transportschwierigkeiten zum Trotz ist Handicap International im Moment dabei, Mobilitätshilfen aus einem seiner Basislager in das Flüchtlingscamp zu liefern. Dabei handelt es sich in erster Linie um Gehhilfen, Langstöcke für Blinde und Rollatoren. Bald sollen auch Rollstühle verteilt werden.

„Wir machen außerdem andere Hilfsorganisationen darauf aufmerksam, bei ihren Einsätzen Menschen mit Behinderung nicht auszuschließen“, erklärt Céline. Unsere Aufgabe ist es, immer wieder zu betonen, wie wichtig es ist, dass besonders Schutzbedürftige spezifische Hilfe erhalten. Das Team von Handicap International setzt sich aus fünf ausländischen Mitarbeitenden sowie einer Reihe von lokalen Kräften zusammen.

In den nächsten Wochen plant die Organisation, ihre Mission zu intensivieren. Außerdem würde sie ihre Aktivitäten gerne auf andere betroffenen Gebiete ausweiten; insbesondere besteht Handlungsbedarf in Bor und im Awerial-Gebiet, wo sich etwa 80.000 Vertriebene aufhalten.

Handicap International wurde zum ersten Mal im Jahre 2006 im Gebiet des heutigen Südsudans aufgrund der Flüchtlingsproblematik im Zuge gewaltsamer Konflikte aktiv. Diese Hilfseinsätze haben sich zu einem langfristigen Engagement entwickelt.

17 Januar 2014
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Martina Vohankova stammt aus Tschechien und arbeitet bei Handicap International Syrien als Projektmanagerin für Gesundheit und Minenaktion. Angefangen in 2012 arbeitete sie erst für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe in Uganda, Kambodscha und im Südsudan. In den vergangenen zwei Jahren war Martina im Nahen Osten tätig, zunächst im Irak. Seit Mai 2016 wirkt sie bei Handicap International im Syrien-Krisen-Programm mit. Hier erzählt sie uns von ihrer Arbeit.