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Togo

Angst, Tabus, Glaube oder Fatalismus führen zur Stigmatisierung und Isolierung von Menschen mit Behinderung in Togo. Handicap International unterstützt sie und bemüht sich, die Einstellung der Bevölkerung zu Menschen mit Behinderung zu verändern.

Togo - Handicap International

© J-J. Bernard / Handicap International

Laufende Aktivitäten

In Togo leben 58,7% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Die Zahl der Menschen mit Behinderung wird auf ungefähr 620.000 geschätzt. 10% von ihnen sollen ein orthopädisches Hilfsmittel benötigen. Außerdem besagt der traditionelle Glaube häufig, dass Menschen mit Behinderung Opfer eines Fluches oder Zaubers sind und damit z.B. das Fehlverhalten eines Elternteils von den Göttern bestraft wird. Diese Vorstellungen führen oft dazu, dass Eltern von Kindern mit Behinderung ihre Kinder aus Scham von der Gesellschaft abschirmen und vor anderen verstecken. Da sie von Spielen mit anderen Kindern, von der Schule und von anderen Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossen sind, werden aus Kindern mit Behinderung oft Erwachsene, die ebenso ausgeschlossen sind. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnerorganisationen auf Verbands- und Regierungsebene engagieren wir uns für eine Veränderung dieser Lebensbedingungen.

Wir möchten die soziale Eingliederung von Menschen mit Behinderung fördern, indem wir möglichst konkrete Lösungen anbieten. Dazu gehören die Bereitstellung von Hilfsmitteln, die Wiedereingliederung in die Berufsausbildung, die Sicherstellung von körperlicher und geistiger Gesundheit (insbesondere die Gesundheit von Müttern, Neugeborenen und Kindern im Schulalter), die schulische Inklusion, die Sensibilisierung der Gemeinden für Behinderung sowie der Einsatz für die Rechte der Menschen mit Behinderung. Wir müssen die Menschen in Togo überzeugen, dass Menschen mit Behinderung vollwertige Mitmenschen sind, die aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen wollen und können.

Schließlich führen wir in Togo ein Pilotprojekt durch, um Lage von Häftlingen zu verbessern – einerseits während ihrer Haft, andererseits bei ihrer Rückkehr zu ihren Familien. Wir versuchen, die negativen Auswirkungen der Haft auf die psychische Gesundheit der Inhaftierten in den Vordergrund zu stellen. Das Ziel besteht darin, Lösungen anzubieten, damit dieses Problem von der Gefängnisverwaltung und von allen Beteiligten (Familien der Häftlinge, Gemeinden, Zentren für psychische Gesundheit etc.) stärker berücksichtigt wird.

Neues aus den Projekten

Ein Bein aus dem Drucker? Mehr als nur Zukunftsmusik!
© J.Canicave / Handicap International

Ein Bein aus dem Drucker? Mehr als nur Zukunftsmusik!

Handicap International veröffentlicht vielversprechende Forschungsergebnisse zum 3D-Druckverfahren: Künstliche Gliedmaßen aus dem 3D-Drucker könnten Menschen in Entwicklungsländern zu hochwertigen Prothesen verhelfen – selbst in entlegenen Gebieten und Konfliktzonen. In Togo, Madagaskar und Syrien hat  Handicap International erste klinische Versuche durchgeführt: Die Ergebnisse sind ermutigend.

Von der Gebärdensprache zur Freundschaft – die Geschichte von Moussifa
© Studio Cabrelli / Handicap International

Von der Gebärdensprache zur Freundschaft – die Geschichte von Moussifa

Die neunjährige Moussifa wurde mit einer Hörbehinderung geboren. Lange Zeit konnte sie wegen deshalb wegen ihrer schwierigen familiären Situation keine Schule besuchen. Doch dank der Fürsprache von Handicap International gegenüber den Schulbehörden Togos durfte sie sich schließlich zur Schule anmelden. Heute geht sie in die zweite Klasse der Grundschule – in eine (fast) ganz normale Klasse.

Westafrika: Inklusion von Kindern mit Behinderung
© Studio Cabrelli / Handicap International

Westafrika: Inklusion von Kindern mit Behinderung

Seit 2012 leitet Handicap International das Projekt APPEHL für die volle Teilhabe von Kindern mit Behinderung an Bildungsmaßnahmen. Unser Ziel ist es, damit die schulische Situation von 170.000 Kindern mit Behinderung in neun westafrikanischen Ländern zu verbessern. Sandra Boisseau, die unser Projekt von Dakar (Senegal) aus koordiniert, berichtet uns von den Aktionen, die bereits durchgeführt wurden, um die Barrieren im Bereich der Bildung für diese Kinder abzubauen.

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Hintergrund

Seit 1991 ist Togo von einer wachsenden Wirtschaftskrise betroffen. Das Ausbleiben politischer Veränderungen über einen Zeitraum von 40 Jahren hat dazu geführt, dass die internationale Hilfe drastisch gekürzt wurde. Heute erholt sich das Land.

Nach dem Tod des ehemaligen Präsidenten und der darauf folgenden umstrittenen Wahlen von 2005 haben sich die wirtschaftlichen Kennzahlen des Landes weiter verschlechtert. Nach den Parlamentswahlen im Oktober 2007, die von der internationalen Gemeinschaft als fair eingestuft wurden, erholt sich Togo von einer 19 Jahre langen beispiellosen sozialen und politischen Krise. Die internationale Zusammenarbeit, die während dieser Jahre aufgrund der fehlenden Demokratie eingefroren worden war, wurde wieder aufgenommen. Die Präsidentschaftswahlen im März 2010 verliefen ruhig und der amtierende Präsident ging als Sieger hervor.

Seither erfährt Togo ein Wirtschaftswachstum, aber dieser Aufschwung führt bisher leider nicht zu einer positiven Entwicklung der Lebensbedingungen der togolesischen Bevölkerung. Das Land bleibt auf Rang 166 von 187 des Index für menschliche Entwicklung (UNDP 2014).

Weltweites Engagement: