Gehe zum Hauptinhalt

Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Behandlung von Unterernährung in Ostafrika: Lebensrettende Physiotherapie in der Hungersnot

Nothilfe
Äthiopien Somalia (Somaliland) Südsudan

820.000 Kinder im Südsudan, in Somalia, Uganda und Äthiopien werden im Jahr 2017 voraussichtlich an schwerer akuter Unterernährung leiden. Die bahnbrechenden Behandlungsmethoden von Handicap International werden helfen, dass sie sich erholen und gedeihen.

Ein Physiotherapeut und die Mutter eines kleinen Jungen machen gemeinsam spielerische Übungen zur Stärkung des Jungen

Archivbild: Physiotherapie mit unterernährten Kindern in Kinshasa, 2013 | © Johanna de Tessières / Handicap International

Schwere akute Unterernährung

Wenn ein Kind schwer unterernährt ist, kann man sehen, wie sein Körper schwächer wird. Diese Kinder haben dünne Gliedmaßen, schlaffe Haut, eine niedrige Körpertemperatur und Blähungen, die durch die Beibehaltung von Wasser verursacht werden. Ihr Immunsystem ist nicht in der Lage, Infektionen zu bekämpfen. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie an Lungenentzündungen, Malaria, Masern und Durchfallerkrankungen sterben, neun Mal so hoch ist.

Kinder unter fünf Jahren, die eine schwere akute Unterernährung überleben, erleiden schwere Traumata, während sie normalerweise in dieser Zeit ihre grundlegenden physischen und intellektuellen Fähigkeiten entwickeln würden. Anstatt zu lernen, zu sitzen, zu krabbeln, zu beobachten und Probleme zu lösen, benötigen ihre Körper ihre gesamte Energie für das schlichte Überleben.

Wenn ihr Leid andauert, ist es wahrscheinlich, dass diese Kinder Entwicklungsverzögerungen aufweisen sowie in schweren Fällen bleibende Behinderungen davontragen.

Als Folge der Ernährungskrise, die derzeit die Region betrifft, werden schätzungsweise mindestens 820.000 Kinder im Südsudan, in Somalia, Uganda und Äthiopien im Jahr 2017 einen kritischen Zustand schwerer Mangelernährung erreichen - und viele weitere sind gefährdet.

Überleben und Widerstandsfähigkeit

Handicap International arbeitet schon seit vielen Jahren mit unterernährten Kindern. Unsere Fachleute für Rehabilitation haben bewährte Methoden einer anregenden Physiotherapie entwickelt, die gemeinsam mit einer Notfallernährung, der Rehydratation und einer medizinischen Grundversorgung wirken, um den Kindern die besten Überlebenschancen zu geben und ihre zukünftige Lebensqualität zu verbessern.

Die Spezialistin von Handicap International Rozenn Botokro hat bei der Entwicklung dieser Methoden mitgeholfen und erklärt:

„Zunächst scheint Physiotherapie kein dringendes Bedürfnis in solch einer schrecklichen Situation zu sein, aber der Körper eines Kindes mit einem solchen Niveau an Unterernährung ist schwer beschädigt. Wir müssen die Kinder dazu bringen, sich wieder zu bewegen, nachzudenken und zu spielen, sonst werden sie sich nicht vollständig erholen und könnten erneut an Unterernährung erkranken. Einfach nur Kalorien und Nährstoffe zur Verfügung zu stellen ist nicht genug; nur eine physische, anregende Therapie kann den Teufelskreis durchbrechen.“

Unsere Teams konzentrieren sich auch darauf, ein unterstützendes Netzwerk rund um ein unterernährtes Kind aufzubauen. Dies geschieht zum Beispiel, indem wir die Familien der Kinder, die sich gerade erholen, miteinbeziehen. Denn interaktives Spielen, Übungen und grundlegende Physiotherapie, die von den Eltern oder Betreuenden angeleitet werden, haben nachweislich zu einem besseren Wachstum und zur besseren Entwicklung der motorischen Fähigkeiten geführt. Diese Verfahrensweise stellt nicht nur sicher, dass die Kinder überleben, sondern auch, dass sie zu einem vollwertigen, gesunden Leben heranwachsen können.

Gezielte Reaktion

Als Reaktion auf den alarmierenden Anstieg der Fälle schwerer akuter Unterernährung in Ostafrika beginnen wir neue Programme mit unserer anregenden Physiotherapie in Äthiopien und führen Bedarfsermittlungen in Somaliland und Uganda durch. Diese Programme werden zusätzlich zu den bestehenden Nothilfeaktivitäten der anderen Partner im Gesundheitsbereich durchgeführt.

Die Programme zielen in erster Linie auf die vertriebene Bevölkerung ab, wo der Anteil ankommender Kinder mit schwerer akuter Unterernährung besonders hoch ist.

 

 

26 April 2017
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Psychosoziale Unterstützung in Somalia
© C. Smets-Luna / HI
Inklusion Rechte von Menschen mit Behinderung Rehabilitation und Orthopädie

Psychosoziale Unterstützung in Somalia

Trotz der Verbesserung der allgemeinen humanitären Lage leiden die Menschen in Somalia noch immer unter Gewalt, politischer Instabilität und einer hohen Sterblichkeitsrate. Durch die ständige Unsicherheit werden psychotische Symptome oft verursacht oder noch verstärkt. Menschen mit psychischen Störungen werden in der somalischen Gemeinschaft jedoch meist marginalisiert und Einrichtungen für psychische Gesundheit sind nur eingeschränkt verfügbar. Die psychische Gesundheit ist derzeit eines der wichtigsten Gesundheitsprobleme, das es zu lösen gilt.

Rohingya: Die Bürger von Nirgendwo
© Abir Abdullah/HI
Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie

Rohingya: Die Bürger von Nirgendwo

Am Sonntag, 25. August 2019, jährt sich die Vertreibung der Rohingya aus Myanmar zum zweiten Mal. Die muslimische Minderheit ist in ihrem Heimatland systematischer Verfolgung  ausgesetzt. Vor zwei Jahren eskalierte die Gewalt und führte zur Flucht von 741.000 Rohingya ins benachbarte Bangladesch. Laut Vereinten Nationen leben dort derzeit über 911.000 Menschen in Flüchtlingscamps in der Region Cox’s Bazar - dem sogenannten größten Flüchtlingslager der Welt. Die Bündnisorganisationen von „Aktion Deutschland Hilft“, zu denen auch Handicap International gehört, helfen den Menschen seit Ausbruch der Krise.

Humanitäre Hilfe: Eine Geschichte des Mitgefühls
© Gilles Lordet / HI
Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie

Humanitäre Hilfe: Eine Geschichte des Mitgefühls

Am Montag, 19. August, ist Welttag der Humanitären Hilfe. Anlass genug, einen unserer engagierten Mitarbeiter zu Wort kommen zu lassen. Tichaona Mashodo leitet das mobile Einsatzteam im Südsudan. Im Interview blickt er auf die letzten zehn Jahre seines humanitären Engagements zurück.

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ